Der Irrthum
1758Ja, liebe Mutter, ihr habt Recht, Daß ich der Männer falsch Geschlecht, Wie ihr verlangt, zu hassen schwur: Doch da ich schwur, da kannt ich meine Vettern nur: Da glaubt ich, alle Männer wären Den alten Zänkern gleich: Doch Mutter, wenn ihrs glaubt, o so betrügt ihr euch! Da solltet ihr den jungen Damon sehn: O der ist frisch! o der ist schön! Ich weiß, ihr würdet ihn zu lieben nicht verschwören!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Irrthum" von Christian Felix Weiße handelt von einem jungen Mädchen, das zunächst alle Männer verabscheut, da es nur die negativen Beispiele kennt, die von seiner Mutter geprägt wurden. Die Tochter schwört, das "falsche Geschlecht" zu hassen, da sie die Männer für gleich und schlecht hält, wie die "alten Zänker". Doch dann lernt sie den jungen Damon kennen, der ganz anders ist: frisch und schön. Damit erkennt das Mädchen, dass nicht alle Männer gleich sind und ihre pauschale Ablehnung ein Irrtum war. Die Tochter wendet sich direkt an ihre Mutter und bittet sie, ihre Meinung zu revidieren. Sie soll aufhören, alle Männer zu verteufeln, da es auch positive Ausnahmen gibt. Das Mädchen ist sich sicher, dass die Mutter den jungen Damon ebenfalls lieben würde, wenn sie ihn kennenlernen würde. Damit verdeutlicht sie, dass ihr eigenes Urteil sich geändert hat und sie nun eine differenziertere Sicht auf die Männer hat. Das Gedicht thematisiert die Gefahr von Vorurteilen und pauschalen Verurteilungen. Das Mädchen hat sich einseitig von seiner Mutter beeinflussen lassen und alle Männer über einen Kamm geschoren. Erst durch die Begegnung mit einem positiven Gegenbeispiel erkennt es seinen Irrtum. Es mahnt die Mutter, ebenfalls ihre Meinung zu überdenken und nicht alle Männer zu verteufeln. Das Gedicht plädiert für eine offene und differenzierte Betrachtung der Menschen, statt in Schubladen zu denken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Doch Mutter, wenn ihrs glaubt, o so betrügt ihr euch!
- Ausruf
- O der ist frisch! o der ist schön!
- Hyperbel
- Ich weiß, ihr würdet ihn zu lieben nicht verschwören!
- Kontrast
- Da glaubt ich, alle Männer wären den alten Zänkern gleich: Doch Mutter, wenn ihrs glaubt, o so betrügt ihr euch!
- Metapher
- Da glaubt ich, alle Männer wären den alten Zänkern gleich