Der irre Spielmann
1841Aus stiller Kindheit unschuldiger Hut Trieb mich der tolle, frevelnde Mut. Seit ich da draußen so frei nun bin, Find ich nicht wieder nach Hause mich hin.
Durchs Leben jag ich manch trügrisch Bild, Wer ist der Jäger da? Wer ist das Wild? Es pfeift der Wind mir schneidend durchs Haar, Ach Welt, wie bist du so kalt und klar!
Du frommes Kindlein im stillen Haus, Schau nicht so lüstern zum Fenster hinaus! Frag mich nicht, Kindlein, woher und wohin? Weiß ich doch selber nicht, wo ich bin!
Von Sünde und Reue zerrissen die Brust, Wie rasend in verzweifelter Lust, Brech ich im Fluge mir Blumen zum Strauß, Wird doch kein fröhlicher Kranz daraus! -
Ich möcht in den tiefsten Wald wohl hinein, Recht aus der Brust den Jammer zu schrein, Ich möchte reiten ans Ende der Welt, Wo der Mond und die Sonne hinunterfällt.
Wo schwindelnd beginnt die Ewigkeit, Wie ein Meer, so erschrecklich still und weit, Da sinken all Ström und Segel hinein, Da wird es wohl endlich auch ruhig sein.
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Interpretation
Das Gedicht "Der irre Spielmann" von Joseph von Eichendorff beschreibt die innere Zerrissenheit und das ziellose Umherirren eines Spielmanns, der aus seiner unschuldigen Kindheit in die weite, kalte Welt hinausgetrieben wurde. Der Spielmann fühlt sich verloren und unfähig, seinen Platz im Leben zu finden. Er jagt durchs Leben, ohne zu wissen, wer der Jäger und wer das Wild ist, und wird von der Härte und Klarheit der Welt überwältigt. Die zweite Strophe wendet sich an ein frommes Kind im stillen Haus und warnt es davor, neugierig auf die Welt des Spielmanns zu blicken. Der Spielmann selbst weiß nicht, woher er kommt oder wohin er geht, und seine Brust ist von Sünde und Reue zerrissen. In verzweifelter Lust bricht er Blumen für einen Strauß, doch es wird kein fröhlicher Kranz daraus. Der Spielmann sehnt sich danach, in den tiefsten Wald zu gehen, um seinen Kummer hinauszuschreien, und bis ans Ende der Welt zu reiten, wo Mond und Sonne untergehen. In der letzten Strophe träumt der Spielmann davon, an den Ort zu gelangen, wo die Ewigkeit beginnt, ein Ort, der wie ein weites, stilles Meer erscheint. Dort möchte er all seine Ström und Segel versenken und endlich Ruhe finden. Das Gedicht vermittelt ein tiefes Gefühl der Verzweiflung, des Verlusts und der Sehnsucht nach einem Ort der Geborgenheit und des Friedens, den der Spielmann in der realen Welt nicht finden kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Da sinken all Ström und Segel hinein
- Personifikation
- Durchs Leben jag ich manch trügrisch Bild