Der Invalide

Friedrich Hebbel

1854

Frei zieh ich durch Dörfer und Städte, Frei zieh ich von Haus zu Haus, Und um mein Amt zu vermelden: Ich glaub, ich säe die Helden Für künftige Schlachten aus.

Einst hatt ich, was ich brauchte, Jetzt brauch ich, was ich hab, Noch gibt man mir ganz so gerne, Wie man mir in der Ferne, In Feindes Landen gab.

Dort schrieb das Quantum der Degen, Hier schreibt′s der Stelzfuß vor; Viel schmäler, meinetwegen! Gewann ich doch an Segen, Was ich an Brot verlor.

Auch sind ja hier nicht die Klingen, Wie dort, auf mich erpicht; Ich, dem gedroht jedwede, Bin sicher jetzt gegen jede, Nur - gegen die eigne nicht.

Dort kommen Buben gesprungen, Ich nehme den Stein hier zum Sitz, Am Bettelbrot mich zu stärken. Wenn sich′s die Buben merken, So bin ich noch zu was nütz.

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Illustration zu Der Invalide

Interpretation

Das Gedicht "Der Invalide" von Friedrich Hebbel beschreibt die Lebenssituation eines Kriegsinvaliden, der durch Dörfer und Städte zieht und um Almosen bittet. Der Sprecher empfindet seine Aufgabe als eine Art "Aussaat von Helden" für zukünftige Schlachten, was eine ironische Distanz zur eigenen Situation zeigt. Er vergleicht die Zeit vor und nach seiner Verletzung und stellt fest, dass er zwar seine körperliche Unversehrtheit verloren hat, aber in gewisser Weise an spiritueller oder symbolischer Bedeutung gewonnen hat. Die zweite Strophe verdeutlicht den Kontrast zwischen der Zeit im Krieg und der Gegenwart als Invaliden. Während er früher alles hatte, was er brauchte, ist er jetzt auf das angewiesen, was er hat. Die Menschen geben ihm zwar nicht mehr so bereitwillig wie früher im Ausland, aber er akzeptiert diese Veränderung. Die dritte Strophe setzt diesen Vergleich fort und betont, dass er zwar an körperlicher Stärke verloren hat, aber an spiritueller Bedeutung gewonnen hat. Er ist nun vor den unmittelbaren Gefahren des Krieges geschützt, aber nicht vor der eigenen inneren Zerrissenheit. Die letzte Strophe zeigt die Interaktion des Invaliden mit Kindern, die ihm beim Sitzen auf einem Stein zuschauen. Er stärkt sich mit dem "Bettelbrot", das er durch das Betteln erhält. Die Kinder bemerken seine Situation und der Invalid fühlt sich dadurch noch nützlich, da er ihnen eine Lektion über die harten Realitäten des Lebens erteilt. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine bittersüße Stimmung, die sowohl die physischen als auch die psychischen Auswirkungen des Krieges auf den Einzelnen thematisiert.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Frei zieh ich durch Dörfer und Städte, Frei zieh ich von Haus zu Haus
Ironie
Was ich an Brot verlor. Auch sind ja hier nicht die Klingen, Wie dort, auf mich erpicht;
Kontrast
Einst hatt ich, was ich brauchte, Jetzt brauch ich, was ich hab
Metapher
Ich glaub, ich säe die Helden Für künftige Schlachten aus.
Personifikation
Dort schrieb das Quantum der Degen, Hier schreibt's der Stelzfuß vor;
Symbolik
Am Bettelbrot mich zu stärken