Der Hohenstaufen

Friedrich Theodor Vischer

1831

Da steht er wieder, ernst und hoch und kahl! Ein weißes Tuch umhüllet sein Gelände, Der Wintersonne später, bleicher Strahl Fällt auf die weichgeschwungnen Bergeswände.

Vom Westen kommt dieß geisterhafte Licht, Weiß wie der Schnee, auf dem es wiederstrahlet; Doch schau’, wie sich das Weiß in’s Rothe bricht! Abhang und Gipfel scheint in Blut gemalet.

Ein Himmelszeichen! Heilig Opferblut Krönt fernher scheinend deinen Scheitel wieder! Ein Kaisermantel wallt in Purpurglut Auf’s Neue dir um deine Heldenglieder.

O herzdurchschauernd Bild! Ich glaub’ es kaum! Mein Auge thaut, ja fließet nur, ihr Thränen! Ich darf’s erleben! Wahrheit wird der Traum Der Jünglingsseele, wird mein frühes Sehnen!

Nein, du mein deutsches Volk, du träumst nicht mehr Von alter Herrlichkeit in kahler Blöße; Wie kleidet er dich traurig schön und hehr, Der blut’ge Festschmuck deiner neuen Größe!

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Hohenstaufen

Interpretation

Das Gedicht "Der Hohenstaufen" von Friedrich Theodor Vischer beschreibt die majestätische Erscheinung des Hohenstaufens, eines Berges in Deutschland, unter dem winterlichen Licht der Sonne. Die ersten Strophen schildern die Landschaft, die von einem bleichen, geisterhaften Licht erfüllt ist, das sich in ein rötliches, blutähnliches Licht verwandelt. Dieses Licht wird als "Himmelszeichen" interpretiert, das den Berg in einem heiligen, opferhaften Glanz erscheinen lässt. In den folgenden Strophen wird die emotionale Wirkung dieses Anblicks auf den Betrachter beschrieben. Das Bild des Hohenstaufens unter dem rötlichen Licht wird als "herzdurchschauernd" empfunden, und der Betrachter ist von Tränen gerührt. Dieses Erlebnis wird als Erfüllung eines Traums oder einer Sehnsucht aus der Jugend interpretiert, die nun zur Wahrheit geworden ist. Im letzten Teil des Gedichts wird die symbolische Bedeutung des Hohenstaufens für das deutsche Volk betont. Der Berg, der einst in "kahler Blöße" stand, wird nun durch den "blut'gen Festschmuck" seiner neuen Größe geschmückt. Dies wird als Erfüllung des Traums von alter Herrlichkeit interpretiert, der nun für das deutsche Volk Wirklichkeit geworden ist. Das Gedicht endet mit einem Aufruf an das deutsche Volk, sich dieser neuen Größe bewusst zu werden und stolz darauf zu sein.

Schlüsselwörter

weiß blut steht ernst hoch kahl weißes tuch

Wortwolke

Wortwolke zu Der Hohenstaufen

Stilmittel

Bildsprache
Abhang und Gipfel scheint in Blut gemalet
Hyperbel
O herzdurchschauernd Bild!
Metapher
Blut'ger Festschmuck deiner neuen Größe
Personifikation
Der Wintersonne später, bleicher Strahl
Symbolik
Himmelszeichen! Heilig Opferblut
Vergleich
Weiß wie der Schnee