Der höhere Frieden

Heinrich von Kleist

1811

Wenn sich auf des Krieges Donnerwagen, Menschen waffnen, auf der Zwietracht Ruf, Menschen, die im Busen Herzen tragen, Herzen, die der Gott der Liebe schuf:

Denk ich, können sie doch mir nichts rauben, Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt, Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben, Der dem Hasse, wie dem Schrecken, wehrt.

Nicht des Ahorns dunkelm Schatten wehren, Daß er mich, im Weizenfeld, erquickt, Und das Lied der Nachtigall nicht stören, Die den stillen Busen mir entzückt.

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Illustration zu Der höhere Frieden

Interpretation

Das Gedicht "Der höhere Frieden" von Heinrich von Kleist beschäftigt sich mit dem Thema des inneren Friedens und der Unverletzlichkeit der Seele inmitten der äußeren Unruhen des Krieges. Der Dichter reflektiert über die Ironie, dass Menschen, die von Natur aus mit liebenden Herzen ausgestattet sind, sich bewaffnen und in den Krieg ziehen. Trotz dieser äußeren Konflikte betont Kleist, dass der wahre Frieden, der aus dem Glauben an Gott und der Bewahrung der Unschuld entsteht, unantastbar bleibt. Kleist stellt die innere Ruhe und den Frieden der Seele als etwas Höheres und Unverletzliches dar. Er argumentiert, dass selbst die schrecklichen Auswirkungen des Krieges, wie Hass und Angst, den inneren Frieden nicht zerstören können. Dieser Frieden ist selbstbewahrend und durch den Glauben an Gott gestärkt. Die Metapher des Ahornbaumes im Weizenfeld und des Liedes der Nachtigall symbolisiert die Schönheit und Ruhe der Natur, die trotz der umgebenden Unruhe bestehen bleibt und den Betrachter erfreut und beruhigt. Abschließend vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Hoffnung und Widerstandsfähigkeit. Es legt nahe, dass der wahre Frieden und die Unschuld im menschlichen Herzen unempfindlich gegenüber äußeren Einflüssen sind. Kleist ermutigt den Leser, an diesen inneren Frieden zu glauben und ihn zu bewahren, selbst in Zeiten des äußeren Chaos und der Zerstörung. Das Gedicht ist ein Plädoyer für die Stärke des menschlichen Geistes und die unerschütterliche Natur des inneren Friedens.

Schlüsselwörter

menschen busen herzen gott krieges donnerwagen waffnen zwietracht

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Menschen waffnen, auf der Zwietracht Ruf
Bildsprache
Nicht des Ahorns dunkelm Schatten wehren, Daß er mich, im Weizenfeld, erquickt
Hyperbel
Denk ich, können sie doch mir nichts rauben
Kontrast
Menschen, die im Busen Herzen tragen, Herzen, die der Gott der Liebe schuf
Metapher
Der dem Hasse, wie dem Schrecken, wehrt
Parallelismus
Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt, Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben
Personifikation
Und das Lied der Nachtigall nicht stören, Die den stillen Busen mir entzückt