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Der Hidalgo

Von

Es ist so süß zu scherzen
Mit Liedern und mit Herzen
Und mit den ernsten Streit!
Erglänzt des Mondes Schimmer,
Da treibt′s mich fort vom Zimmer,
Durch Platz und Gassen weit;
Da bin zur Lieb′ ich immer
Wie zum Gefecht bereit.

Die Schönen von Sevilla
Mit Fächern und Mantilla
Blicken den Strom entlang;
Sie lauschen mit Gefallen,
Wenn meine Lieder schallen
Zum Mandolinenklang.
Und dunkle Rosen fallen
Mir vom Balkon zum Dank.

Ich trage, wenn ich singe,
Die Zither und die Klinge
Vom Toledan′schen Stahl.
Ich sing an manchem Gitter
Und höhne manchen Ritter
Mit keckem Lied zumal,
Den Damen gilt die Zither,
Die Klinge dem Rival.

Auf denn zum Abenteuer,
Schon losch der Sonne Feuer
Jenseits der Berge aus.
Der Mondnacht Dämmrungsstunden,
Sie bringen Liebeskunden,
Sie bringen blut′gen Strauß,
Und Blumen oder Wunden
Trag morgen ich nach Haus.

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Gedicht: Der Hidalgo von Emanuel Geibel

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Hidalgo“ von Emanuel Geibel entwirft das Bild eines spanischen Edelmanns, der sein Leben zwischen Liebe, Gesang und Duell sucht. Es ist eine romantische Inszenierung eines Lebensgefühls, das von der Sehnsucht nach Abenteuer, Leidenschaft und dem Spiel mit dem Tod geprägt ist. Der Hidalgo nimmt seine Existenz mit einer gewissen Leichtigkeit, aber auch mit der Bereitschaft, sich den Herausforderungen zu stellen, wahr.

Die erste Strophe etabliert die Dualität des Lebensgefühls: die „süße“ Freude am Scherzen und die Auseinandersetzung mit ernsten „Streit“. Der Mondschein dient als Katalysator, der den Hidalgo aus dem häuslichen Umfeld treibt und ihn zur Bereitschaft für die Liebe und das Gefecht antreibt. Die folgenden Strophen veranschaulichen diese Bereitschaft. Die zweite Strophe beschreibt die erotische Anziehungskraft der Schönen von Sevilla, die dem Gesang des Hidalgos zuhören und ihn mit „dunklen Rosen“ als Dank auszeichnen. Die dritte Strophe unterstreicht die Verbindung von Gesang und Kampf: Der Hidalgo trägt Zither und Klinge, was seine duale Natur als Liebhaber und Kämpfer betont. Er singt für die Damen und fordert die Rivalen heraus.

Die vierte und letzte Strophe führt zum Höhepunkt des Gedichts: dem Aufbruch ins Abenteuer. Der Hidalgo begrüßt die Mondnacht, die sowohl Liebeserfahrungen als auch blutige Auseinandersetzungen verspricht. Er ist sich der Gefahr bewusst, nimmt sie aber in Kauf. Die Dichotomie von „Blumen oder Wunden“ am Ende deutet an, dass das Ergebnis des Abenteuers ungewiss ist, doch der Hidalgo ist bereit, beides anzunehmen.

Geibels Sprache ist von einer klassischen Romantik geprägt. Die Reime und der fließende Rhythmus erzeugen eine musikalische Atmosphäre, die die Idealisierung des Helden unterstreicht. Das Gedicht ist ein Loblied auf das Leben als Abenteuer, auf die Schönheit der Liebe und die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Es spiegelt das romantische Ideal des Helden wider, der nach dem Außergewöhnlichen strebt, indem er das Leben in vollen Zügen auskostet.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.