Der Herr der Insel

Stefan George

1894

Die fischer überliefern das im süden Auf einer insel reich an zimt und öl Und edlen steinen die im sande glitzern Ein Vogel war der wenn am boden fußend Mit seinem schnabel hoher stämme krone Zerpflücken konnte - wenn er seine flügel Gefärbt wie mit dem saft der Tyrer-schnecke Zu schwerem niedrem flug erhoben: habe Er einer dunklen wolke gleichgesehn. Des tages sei er im Gehölz verschwunden Des abends aber an den strand gekommen Im külen windeshauch von salz und tang Die süße stimme hebend daß delfine Die freunde des gesanges näher schwammen im meer voll goldner federn goldner funken. So habe er seit urbginn gelebt Gescheiterte nur hätten ihn erblickt. Denn als zum erstenmal die weißen segel Der menschen sich mit günstigem geleit Dem eiland zugedreht sei er zum hügel Die ganze teure stätte zu beschaun gestiegen Verbreitet habe er die großen schwingen Verscheidend in gedämpften schmerzeslauten.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Herr der Insel

Interpretation

Das Gedicht "Der Herr der Insel" von Stefan George erzählt von einem mythischen Vogel, der auf einer fruchtbaren Insel im Süden lebt. Dieser Vogel ist so mächtig, dass er mit seinem Schnabel die Kronen hoher Bäume zerteilen kann und durch seine purpurfarbenen Flügel einer dunklen Wolke gleicht. Tagsüber versteckt er sich im Wald, während er am Abend an den Strand kommt, um mit seiner süßen Stimme Delphine anzulocken, die im Meer aus goldenen Federn und Funken schwimmen. Nur wenige haben ihn je gesehen, da er seit Anbeginn der Zeit lebt. Die Fischer überliefern diese Legende, die von der Seltenheit und dem Geheimnis des Vogels zeugt. Seine Existenz ist eng mit der unberührten Natur der Insel verbunden, die reich an Zimt, Öl und edlen Steinen ist. Der Vogel verkörpert die Schönheit und Reinheit der Natur, die nur denen offenbart wird, die würdig sind, ihn zu erblicken. Seine Flügel, gefärbt wie mit dem Saft der Tyrer-Schnecke, symbolisieren königliche Pracht und Einzigartigkeit. Als jedoch die ersten weißen Segel der Menschen mit günstigem Wind die Insel erreichen, steigt der Vogel auf einen Hügel, um die gesamte kostbare Stätte zu betrachten. In diesem Moment breitet er seine großen Schwingen aus und verschwindet mit gedämpften Lauten des Schmerzes. Dies deutet darauf hin, dass die Ankunft der Menschen das Ende einer Ära markiert und den Vogel dazu zwingt, seine Heimat zu verlassen. Das Gedicht vermittelt somit eine melancholische Stimmung und thematisiert den Verlust der unberührten Natur durch den Einfluss der Zivilisation.

Schlüsselwörter

habe goldner fischer überliefern süden insel reich zimt

Wortwolke

Wortwolke zu Der Herr der Insel

Stilmittel

Alliteration
Im külen windeshauch von salz und tang
Hyperbel
Zerpflücken konnte
Metapher
Ein Vogel war der wenn am boden fußend
Personifikation
Die freunde des gesanges näher schwammen
Symbolik
Im meer voll goldner federn goldner funken
Vergleich
Er einer dunklen wolke gleichgesehn