Der Herbst
1770Die Sagen, die der Erde sich entfernen, Vom Geiste, der gewesen ist und wiederkehret, Sie kehren zu der Menschheit sich, und vieles lernen Wir aus der Zeit, die eilends sich verzehret.
Die Bilder der Vergangenheit sind nicht verlassen Von der Natur, als wie die Tag’ verblassen Im hohen Sommer, kehrt der Herbst zur Erde nieder, Der Geist der Schauer findet sich am Himmel wieder.
In kurzer Zeit hat vieles sich geendet, Der Landmann, der am Pfluge sich gezeiget, Er siehet, wie das Jahr sich frohem Ende neiget, In solchen Bildern ist des Menschen Tag vollendet.
Der Erde Rund mit Felsen ausgezieret Ist wie die Wolke nicht, die abends sich verlieret, Es zeiget sich mit einem goldnen Tage, Und die Vollkommenheit ist ohne Klage.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Herbst" von Friedrich Hölderlin beschreibt den Übergang der Jahreszeiten und die damit verbundenen Veränderungen in der Natur und im menschlichen Leben. Hölderlin nutzt den Herbst als Metapher für die Vergänglichkeit der Zeit und die zyklische Natur des Lebens. Der erste Teil des Gedichts befasst sich mit der Rückkehr von Sagen und Geschichten aus der Vergangenheit, die dem Geist der Menschheit Weisheit und Wissen vermitteln. Die Zeit wird als etwas Eiliges dargestellt, das sich schnell verzehrt, was die Vergänglichkeit des Lebens unterstreicht. Im zweiten Teil beschreibt Hölderlin den Herbst als eine Jahreszeit, die den Sommer ablöst und den Geist der Schauer am Himmel wiederfindet. Die Bilder der Vergangenheit sind nicht von der Natur verlassen, sondern werden in den Veränderungen der Jahreszeiten wiedererweckt. Der Herbst wird als eine Zeit des Übergangs und der Veränderung dargestellt. Der letzte Teil des Gedichts konzentriert sich auf den Landmann, der die Veränderungen in der Natur beobachtet und erkennt, dass das Jahr sich seinem frohen Ende neigt. Die Bilder des Herbstes werden als Symbole für das Ende des menschlichen Tages und des Lebenszyklus interpretiert. Die Vollkommenheit wird als etwas ohne Klage dargestellt, was auf die Akzeptanz der Vergänglichkeit und des natürlichen Zyklus des Lebens hindeutet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Mit einem goldnen Tage
- Personifikation
- Die Vollkommenheit ist ohne Klage
- Vergleich
- Der Erde Rund mit Felsen ausgezieret / Ist wie die Wolke nicht, die abends sich verlieret