Der Herbst des Einsamen

Georg Trakl

1915

Der dunkle Herbst kehrt ein voll Frucht und Fülle, Vergilbter Glanz von schönen Sommertagen. Ein reines Blau tritt aus verfallener Hülle; Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen. Gekeltert ist der Wein, die milde Stille Erfüllt von leiser Antwort dunkler Fragen.

Und hier und dort ein Krenz auf ödem Hügel; Im roten Wald verliert sich eine Herde. Die Wolke wandert übern Weiherspiegel; Es ruht des Landmanns rubige Geberde. Sehr leise rührt des Abends blauer Flügel Ein Dach von dürrem Stroh, die schwarze Erde.

Bald nisten Sterne in des Müden Brauen; In kühle Stuben kehrt ein still Bescheiden Und Engel treten leise aus den blauen Augen der Liebenden, die sanfter leiden. Es rauscht das Rohr; anfällt ein knöchern Grauen, Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden.

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Illustration zu Der Herbst des Einsamen

Interpretation

Das Gedicht "Der Herbst des Einsamen" von Georg Trakl beschreibt die melancholische Stimmung des Herbstes. Es beginnt mit der Ankunft des dunklen Herbstes, der voller Frucht und Fülle ist, aber auch von verblasstem Glanz der Sommertage geprägt ist. Die Natur zeigt sich in einem reinen Blau, das aus verfallener Hülle tritt, während der Flug der Vögel von alten Sagen erzählt. Der Wein ist gekeltert, und eine milde Stille erfüllt von leisen Antworten auf dunkle Fragen breitet sich aus. Im zweiten Teil des Gedichts werden einzelne Bilder der herbstlichen Landschaft beschrieben. Hier und da steht ein Kreuz auf ödem Hügel, im roten Wald verliert sich eine Herde. Die Wolke zieht über den Spiegel des Weihers, und der Landmann ruht mit seiner rostigen Geberde. Am Abend rührt ein blauer Flügel leise ein Dach aus dürrem Stroh, während die schwarze Erde darunter ruht. Im letzten Teil des Gedichts wird die Stimmung noch melancholischer. Bald nisten Sterne in den Brauen des Müden, und in kühle Stuben kehrt ein stilles Bescheiden. Engel treten leise aus den blauen Augen der Liebenden, die sanfter leiden. Das Rohr rauscht, und ein knöchernes Grauen überkommt einen, wenn schwarz der Tau von den kahlen Weiden tropft.

Schlüsselwörter

kehrt leise dunkle herbst voll frucht fülle vergilbter

Wortwolke

Wortwolke zu Der Herbst des Einsamen

Stilmittel

Alliteration
Der Flug der Vögel tönt von alten Sagen
Bildsprache
Wenn schwarz der Tau tropft von den kahlen Weiden
Kontrast
Die Wolke wandert übern Weiherspiegel; Es ruht des Landmanns rubige Geberde
Metapher
Bald nisten Sterne in des Müden Brauen
Onomatopoesie
Es rauscht das Rohr
Personifikation
Und Engel treten leise aus den blauen Augen der Liebenden
Symbolik
Und hier und dort ein Krenz auf ödem Hügel