Der Hecht
1871Ein Hecht, vom heiligen Anton bekehrt, beschloß, samt Frau und Sohn, am vegetarischen Gedanken moralisch sich emporzuranken.
Er aß seit jenem nur noch dies: Seegras, Seerose und Seegrieß. Doch Grieß, Gras, Rose floß, o Graus, antsetzlich wieder hinten aus.
Der ganze Teich war angesteckt. Fünfhundert Fische sind verreckt. Doch Sankt Anton, gerufen eilig, sprach nichts als “Heilig! heilig! heilig!”
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Interpretation
Das Gedicht "Der Hecht" von Christian Morgenstern handelt von einem Hecht, der sich bekehrt und beschließt, sich vegetarisch zu ernähren. Der Hecht und seine Familie versuchen, sich moralisch zu verbessern, indem sie sich von Seegras, Seerosen und Seegrieß ernähren. Doch die neue Ernährung führt zu unerwarteten Konsequenzen. Die Folgen der vegetarischen Ernährung des Hechts sind verheerend. Der gesamte Teich wird infiziert, und fünfhundert Fische sterben als Folge. Die Ironie liegt darin, dass der Versuch des Hechts, ein moralisch besseres Leben zu führen, letztendlich zu einer Katastrophe führt. Die Situation wird dadurch noch absurder, dass Sankt Anton, der gerufen wird, um zu helfen, nur "Heilig! heilig! heilig!" wiederholt. Das Gedicht kann als Kritik an der Idee verstanden werden, dass eine plötzliche und radikale Veränderung der Lebensweise zwangsläufig zu positiven Ergebnissen führt. Es zeigt, dass gut gemeinte Absichten unbeabsichtigte und schädliche Folgen haben können. Die absurde Wiederholung von "Heilig!" durch Sankt Anton unterstreicht die Sinnlosigkeit und die Ironie der Situation, in der eine moralische Entscheidung zu einer Katastrophe führt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Seegras, Seerose und Seegrieß
- Assonanz
- Floß, o Graus
- Hyperbel
- Fünfhundert Fische sind verreckt
- Ironie
- Sankt Anton, gerufen eilig, sprach nichts als 'Heilig! heilig! heilig!'
- Metapher
- Am vegetarischen Gedanken moralisch sich emporzuranken
- Personifikation
- Ein Hecht, vom heiligen Anton bekehrt
- Reimschema
- Sonett mit ABAB CDCD EFEF GG