Der Haidhauer
1914Ein Gluttag in die Haidmark zieht; Noch sind vom Tau die Büsche naß, Noch liegt es silbern auf dem Ried, Noch sind die Grillen stumm im Gras.
Da schanzt er schon im braunen Feld, Macht Platz dem Korn im Ödeland; Mit seinen harten Händen hält Den Twickenstiel er fest umspannt.
Es blitzt das Eisen in der Luft, Die Plagge reißt es knirschend fort; Der Haideerde saurer Duft Steigt auf von dem geschälten Ort.
Ein jeder Ruck, ein jeder Schlag, Ein Stückchen Land, ein Stückchen Brot, Ein Schritt mehr hin zum Licht und Tag, Ein Schritt mehr fort aus Nacht und Not.
Die Sonne steigt, die Luft wird heiß, Kein Lüftchen um die Birken bebt; Des Mannes Blondhaar näßt der Schweiß, Am Rückenstrang das Hemd ihm klebt.
Die Sonne sticht, die Lerche schweigt, Aus blauer Luft der Bussard schreit; Und rundumher und weit und breit Die Grille ihren Singsang geigt.
Die Sonne brennt, die Sonne sengt, Es kocht und loht das ganze Land; Zum Schatten er die Schritte lenkt, Die Twicke legt er aus der Hand.
Ein Rangen Brot, ein dünner Trank, Des Maserkopfes blauer Rauch; Dann macht er seinen Rücken lang Am krüpplichen Machangelstrauch.
Der Maserkopf hat ausgeschwehlt, Die Unterstunde ist vorbei; Des Mannes Arm ist neu gestählt, Von Müdigkeit sein Rücken frei.
Den Rücken krumm, die Beine breit, So scharwerkt stramm er weiter weg; Reißt in das braune Haidekleid Aufs neue wieder Fleck um Fleck.
Und jeder Fleck ein Stückchen Land, Ein Stückchen Feld, ein Stückchen Grün; Hellgrüner Saaten lichtes Band Sieht er aus braunem Unland blüh′n.
Buchweizen bollwerkt später hier Und süßer Klee, so rot wie Blut; Goldner Lupinen schwere Zier Und grünen Leines blaue Flut,
Obstbäume trägt des Baches Rand Und Wiesen, bunt von buntem Vieh; Drum auf und ab mit harter Hand, Mit krummem Rücken, krummem Knie.
Drum Plagg und Plagge fest heraus, Mit jedem Hieb, mit jedem Riß Verläßt die Schuldenlast das Haus, Verblaßt der Sorge Finsternis,
Am Wege mülmt es gelb und dicht, Der Schäfer treibt die Schnucken ein; Der Mann im Haidfeld achtet′s nicht, Sein Tagewerk muß länger sein.
Die Haidelerche wieder singt, Der Regenpfeifer ruft im Moor; Und von dem Torfstich quarrend klingt Der Frösche breiter Abendchor.
Die Sonne sinkt, die Luft geht kühl, Der heiße Tag ist bald vorbei, Schon treibt die Fledermaus ihr Spiel, Schon gellt der Eule Jammerschrei.
Daheim wohl wartet schon sein Weib; Er legt die Twicke aus der Hand Und knöpft um seinen nassen Leib Den alten Rock aus Beiderwand.
Sein Blick noch einmal überfliegt Die Rodung, die er heut geschafft, Und was noch brach und öde liegt Und wartet seiner Fäuste Kraft.
Dann schreitet still er durch den Sand, Durch Haid′ und Moor, so schwarz und tot; Der Abendschein am Himmelsrand, Ihm leuchtet er wie Morgenrot.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Haidhauer" von Hermann Löns beschreibt die mühevolle Arbeit eines Mannes, der in der Heide Ackerbau betreibt. Es schildert seinen Tag von den frühen Morgenstunden bis zum Abend, wobei die Natur und die Umgebung eine wichtige Rolle spielen. Das Gedicht verdeutlicht die Härte und den Fleiß, die nötig sind, um aus dem unfruchtbaren Land etwas zu machen. Der Mann, dessen Name nicht genannt wird, wird als jemand dargestellt, der mit seinen Händen die Twicke, ein Werkzeug zum Roden von Heidekraut, führt. Seine Arbeit ist hart und anstrengend, aber er gibt nicht auf. Jeder Ruck und jeder Schlag bringt ihn seinem Ziel näher, aus dem Ödland fruchtbares Ackerland zu machen. Das Gedicht betont die Verbindung zwischen dem Mann und dem Land, das er bearbeitet. Die Natur wird als eine Art Begleiterin des Mannes dargestellt. Die Tiere und Pflanzen reagieren auf die Hitze und die Arbeit des Mannes. Die Grillen schweigen, die Lerche singt nicht mehr, aber die Grille spielt weiter ihren Singsang. Die Sonne brennt und sengt, aber der Mann lässt sich nicht entmutigen. Er arbeitet weiter, bis er am Abend nach Hause geht. Das Gedicht endet mit dem Mann, der nach Hause geht und auf seine Arbeit zurückblickt. Er sieht, was er heute geschafft hat und was noch zu tun ist. Der Abendschein am Himmelsrand leuchtet ihm wie Morgenrot, was darauf hindeutet, dass er bereit ist, am nächsten Tag wieder anzufangen. Das Gedicht ist eine Hommage an die harte Arbeit und den unermüdlichen Fleiß des Mannes, der aus dem unfruchtbaren Land etwas macht.
Schlüsselwörter
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Stilmittel
- Alliteration
- Noch sind vom Tau die Büsche naß
- Bildlichkeit
- Die Haidelerche wieder singt
- Hyperbel
- Die Sonne brennt, die Sonne sengt
- Kontrast
- Ein Rangen Brot, ein dünner Trank
- Metapher
- Sein Tagewerk muß länger sein
- Personifikation
- Der Abendschein am Himmelsrand
- Symbolik
- Ihm leuchtet er wie Morgenrot
- Synästhesie
- Des Maserkopfes blauer Rauch