Der grüne König

Hugo Ball

1927

Wir, Johann, Amadeus Adelgreif, Fürst von Saprunt und beiderlei Smeraldis, Erzkaiser über allen Unterschleif Und Obersäckelmeister vom Schmalkaldis

Erheben unsern grimmen Löwenschweif Und dekretieren vor den leeren Saldis: “Ihr Räuberhorden, eure Zeit ist reif. Die Hahnenfeder ab, ihr Garibaldis!

Man sammle alle Blätter unserer Wälder Und stanze Gold daraus, soviel man mag. Das ausgedehnte Land braucht neue Gelder.

Und eine Hungersnot liegt klar am Tag. Sofort versehe man die Schatzbehälter Mit Blattgold aus dem nächsten Buchenschlag.”

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Illustration zu Der grüne König

Interpretation

Das Gedicht "Der grüne König" von Hugo Ball erzählt die Geschichte eines fiktiven Herrschers namens Johann Amadeus Adelgreif, der mit großem Selbstbewusstsein und drastischen Maßnahmen auftritt. Der Titel "Der grüne König" könnte sich auf seine Verbindung zur Natur und die Verwendung von Blättern als Währung beziehen. Die Verse zeigen eine Mischung aus Humor und Kritik an der Geldpolitik und den Herrschaftsstrukturen seiner Zeit. Der "grüne König" erlässt ein Dekret, in dem er seine Untertanen auffordert, ihre Hahnenfedern abzulegen und sich als "Garibaldis" zu bezeichnen. Dies könnte als Symbol für den Verzicht auf Privilegien und die Gleichstellung aller Bürger interpretiert werden. Die drastische Aufforderung, Blätter aus den Wäldern zu sammeln und zu Gold zu stanzen, zeigt die Absurdität seiner Forderung nach neuem Geld. Die Erwähnung einer "Hungersnot" deutet auf die prekäre wirtschaftliche Lage hin, die der "grüne König" mit seiner unkonventionellen Geldpolitik zu beheben versucht. Das Gedicht kann als satirische Kritik an der Geldpolitik und den Herrschaftsstrukturen der damaligen Zeit verstanden werden. Die Verwendung von Blättern als Währung symbolisiert die Vergänglichkeit und den Mangel an Substanz in der Geldpolitik. Die Figur des "grünen Königs" könnte als Karikatur eines Herrschers dargestellt werden, der mit drastischen und unrealistischen Maßnahmen auf wirtschaftliche Probleme reagiert. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Mischung aus Humor, Ironie und Kritik an den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen seiner Zeit.

Schlüsselwörter

johann amadeus adelgreif fürst saprunt beiderlei smeraldis erzkaiser

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Stilmittel

Alliteration
Johann, Amadeus Adelgreif
Anapher
Wir, Johann, Amadeus Adelgreif, Fürst von Saprunt und beiderlei Smeraldis, Erzkaiser über allen Unterschleif Und Obersäckelmeister vom Schmalkaldis
Hyperbel
Erzkaiser über allen Unterschleif
Metapher
grimmen Löwenschweif
Personifikation
Hahnenfeder ab
Reimschema
AABB
Symbolik
Blätter unserer Wälder, Blattgold aus dem nächsten Buchenschlag