Der greise Kopf
1827Der Reif hatt′ einen weißen Schein Mir über′s Haar gestreuet. Da meint′ ich schon ein Greis zu sein, Und hab′ mich sehr gefreuet.
Doch bald ist er hinweggethaut, Hab′ wieder schwarze Haare, Daß mir′s vor meiner Jugend graut - Wie weit noch bis zur Bahre!
Vom Abendroth zum Morgenlicht Ward mancher Kopf zum Greise. Wer glaubt′s? Und meiner ward es nicht Auf dieser ganzen Reise!
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Der greise Kopf" von Wilhelm Müller beschreibt die flüchtige Natur der Zeit und die Vergänglichkeit des Lebens. Der Sprecher freut sich zunächst über den Anblick seiner von Reif weiß überzogenen Haare, da er sich dadurch wie ein Greis fühlt. Doch als der Reif verschwindet und seine Haare wieder schwarz sind, überkommt ihn eine tiefe Trauer und Furcht vor der Jugend, die ihm noch bevorsteht. Er fragt sich, wie lange es noch dauern wird, bis er wirklich alt ist und dem Tod ins Auge sehen muss. Das Gedicht thematisiert auch die Ungerechtigkeit des Schicksals. Während manche Menschen innerhalb eines einzigen Tages durch die Erfahrungen des Lebens gealtert sind, ist der Sprecher auf seiner gesamten Reise nicht gealtert. Dies lässt ihn verzweifeln und die Sinnlosigkeit seines Daseins in Frage stellen. Die Wiederholung des Wortes "greise" unterstreicht die Bedeutung des Alterns und der Vergänglichkeit für das Gedicht. Insgesamt vermittelt "Der greise Kopf" eine melancholische Stimmung und regt zum Nachdenken über die Vergänglichkeit des Lebens an. Wilhelm Müller nutzt die Metapher des weißen Haares, um die flüchtige Natur der Zeit und die Unausweichlichkeit des Todes zu verdeutlichen. Das Gedicht ist ein Appell, das Leben zu genießen und jeden Moment zu schätzen, da die Zeit unaufhaltsam vergeht und das Schicksal ungerecht sein kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Daß mir′s vor meiner Jugend graut - Wie weit noch bis zur Bahre!
- Hyperbel
- Vom Abendroth zum Morgenlicht Ward mancher Kopf zum Greise
- Ironie
- Da meint′ ich schon ein Greis zu sein, Und hab′ mich sehr gefreuet
- Kontrast
- Doch bald ist er hinweggethaut, Hab′ wieder schwarze Haare
- Metapher
- Der Reif hatt′ einen weißen Schein
- Personifikation
- Mir über′s Haar gestreuet
- Rhetorische Frage
- Wer glaubt′s? Und meiner ward es nicht Auf dieser ganzen Reise!