Der Granatbaum
1907Fern vom Granatenhaine Steht ein Granatenbaum, Er grünt und blüht ganz einsam Hart an des Meeres Saum.
Und ob ihm aus der Erde Auch Keim und Nahrung quoll, Doch neigt er Stamm und Aeste Zum Meere sehnsuchtsvoll.
Er spiegelt sich so gerne Im klaren Wellenschein, All’ seine Blüthen und Blätter Streut er ins Meer hinein.
Ach, was am meisten schade, Die saft’gen Aepfel von Gold, Er streut ins Meer sie alle, Aufs Land nicht einer rollt!
Dieß Thun nimmt mich nicht Wunder, Doch wundert eins mich, traun: Daß man den Nutzenlosen Nicht längst schon umgehau’n.
Seejungfrauen haben die Blüthen Froh ihren Locken gesellt, Und spielen mit gold’nen Aepfeln Der lichten Oberwelt.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Granatbaum" von Anastasius Grün erzählt von einem einsamen Granatbaum, der fern von seinem gewohnten Hain am Meeresufer steht. Trotz ausreichender Nahrung und Wachstumsbedingungen neigt der Baum seine Äste sehnsuchtsvoll zum Meer. Er spiegelt sich gerne im Wasser und streut all seine Blüten und Blätter hinein, sogar seine saftigen, goldenen Äpfel wirft er ins Meer, sodass keiner aufs Land rollt. Die Handlungen des Baumes erscheinen verschwenderisch und sinnlos, da er seine Früchte nicht für sich selbst oder andere nutzt. Der Erzähler wundert sich, warum der nutzlose Baum noch nicht längst gefällt wurde. Doch die Antwort liegt in der Schönheit und dem Zauber, den der Baum für andere Lebewesen bedeutet. Die Seejungfrauen schmücken sich mit seinen Blüten und spielen mit seinen goldenen Äpfeln in der Oberwelt. Somit hat der Baum durch seine Verschwendung und Schönheit einen tieferen Sinn und Nutzen, auch wenn dieser auf den ersten Blick nicht erkennbar ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Seejungfrauen haben die Blüthen / Froh ihren Locken gesellt
- Bildsprache
- Er spiegelt sich so gerne / Im klaren Wellenschein
- Ironie
- Daß man den Nutzenlosen / Nicht längst schon umgehau’n.
- Kontrast
- Aufs Land nicht einer rollt!
- Metapher
- Doch neigt er Stamm und Aeste / Zum Meere sehnsuchtsvoll.
- Personifikation
- Er grünt und blüht ganz einsam / Hart an des Meeres Saum.
- Symbolik
- Die saft’gen Aepfel von Gold