Der Gott des Morgens
1913Die Vögel und Veigel sitzen auf Simsen und Dächern des Himmels Schlafend in goldenen Träumen.
Der Morgen erwacht und schreitet ans grünlichen Toren, von Schaum gebaut. An seine Brust anklammert sich ein verfrühtes Mövenpaar Mit klatschenden Schwingen.
Er schreitet dahin, der Gott. Sein Kleid ist ein enganliegend Geflecht Ans Kelchen tautriefender Rosen. Des Meeres Tosen hängt ihm vom Haupte Herab im Lockengewühl, im Lockengefäll.
Korallentand und Schneckengehäuse sind sein klingelnder Kopfaufputz. Lachende Riffe sind seiner Zähne weißblinkende Reihen. Auf der Oboe ans Pappelholz lockt er die Sonne herauf.
Die Hände breitet er aus nach den neugebornen Unendlichkeiten. Er schmettert den Stab auf das Felsengelände Und rosane Brände werfen aufbrausend Entzündung weit in die Ferne.
Die Fenster und die Fassaden der Wolkengebäude stehen in Flammen. Die Länder und Städte der Menschen schlafen noch wie vergessenes Spielzeug. Über die Ebene schürfet des Gottes Schuh auf rollendem Perlengestein.
Wolken und Wellen, Weiden und Winde singen sein Lied ihm nach. Die Hyazinthen der Gärten niesen sich wach und schau′n ihm verwundert ins Auge. Die Gräser recken die grünen Schwerter und fechten ein nasses Getümmel.
Ungeduldig tanzet der Gott. Ihm ists nicht genug, daß die Erde Dem Tag ihn entgegenträgt gleich einer Lustfregatte. Auf dem Verdeck des segelnden Schiffes noch stürmt er dahin, der Gott,
Lachend und jauchzend, rufend und weckend, die Syrinx blasend Mit hellem Getön.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Gott des Morgens" von Hugo Ball beschreibt den Aufbruch des Tages als ein göttliches Ereignis. Der Morgen wird als ein Gott personifiziert, der in goldenen Träumen schläft und dann erwacht, um die Welt zu erwecken. Die Natur, dargestellt durch Vögel, Wellen und Pflanzen, feiert seine Ankunft mit Gesang und Bewegung. Der Gott des Morgens wird als eine mächtige und lebendige Figur beschrieben, die mit ihrem Erscheinen die Welt verändert. Sein Kleid ist ein Geflecht aus Tau und Rosen, sein Kopfputz aus Korallen und Schneckenhäusern. Mit seiner Musik ruft er die Sonne herbei und entzündet die Welt mit rosafarbenen Flammen. Die Städte und Länder der Menschen schlafen noch, während der Gott über die Erde tanzt und springt. Das Gedicht endet mit der Vorstellung, dass der Gott des Morgens ungeduldig ist und nicht genug damit hat, dass die Erde ihm den Tag entgegenträgt. Er stürmt weiter auf dem Deck eines segelnden Schiffes dahin, lachend und jauchzend, die Syrinx blasend mit hellem Getön. Dies vermittelt ein Gefühl von unendlicher Energie und Lebensfreude, das den Beginn eines neuen Tages begleitet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Ungeduldig tanzet
- Hyperbel
- Dem Tag ihn entgegenträgt gleich einer Lustfregatte
- Metapher
- Dem Tag ihn entgegenträgt gleich einer Lustfregatte
- Personifikation
- Der Morgen erwacht und schreitet ans grünlichen Toren, von Schaum gebaut.
- Symbolik
- Die Hyazinthen