Der Gorilla
1899Er atmet ihre Schwüle längst nicht mehr, Doch lastet seinem Nacken immer noch der Traum der großen Seen Und läßt ihn tief zum Sand gebückt und schwer Im Takt zur Wiederkehr der Eisenstäbe gehn. Er möchte wohl der Glanz der Papageien sein, Das Duften der Reseden und der Walzerklang, Doch bricht kein Strahl den trüben Spiegel seines Auges ein: Die Hand trägt still gefaltet den beträumten Gang Dem fremden Leuchten still und fremd vorbei. Manchmal, im Schrei, Der fernher trifft, fühlt er sich jäh dem Schlund Des Schlafes steil emporgereckt entragen Und knirschend seiner Stirne aufgewandtes Rund An steingewölbte Firmamente schlagen.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Gorilla" von Maria Luise Weissmann beschreibt die innere Zerrissenheit und Gefangenschaft eines Gorillas. Der Gorilla sehnt sich nach seiner natürlichen Umgebung, den großen Seen, und ist von der Last seiner Gefangenschaft gebeugt. Er wünscht sich, die Schönheit und Freiheit der Papageien, den Duft der Pflanzen und den Klang von Musik zu sein, doch sein Blick bleibt stumpf und leer. Er bewegt sich langsam und träumerisch an den fremden Lichtern vorbei, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Manchmal wird der Gorilla durch einen Schrei aus der Ferne aus seiner Träumerei gerissen. Er fühlt sich plötzlich seinem eigenen Schlund ausgesetzt, als ob er steil in den Schlaf hineingezogen wird. Er knirscht mit den Zähnen und schlägt seine Stirn gegen die steinernen, gewölbten Himmel. Dies symbolisiert die Frustration und den Schmerz, den der Gorilla aufgrund seiner Gefangenschaft und seiner Sehnsucht nach Freiheit empfindet. Insgesamt vermittelt das Gedicht ein tiefes Mitgefühl für den Gorilla und seine Situation. Es zeigt die innere Zerrissenheit und den Wunsch nach Freiheit eines gefangenen Tieres, das von seiner natürlichen Umgebung und seinem Instinkt getrieben wird. Die Sprache und die Bilder im Gedicht sind eindringlich und vermitteln die emotionale Tiefe der Gefühle des Gorillas.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- steingewölbte Firmamente schlagen
- Bildlichkeit
- Und läßt ihn tief zum Sand gebückt und schwer
- Hyperbel
- steil emporgereckt entragen
- Kontrast
- Doch bricht kein Strahl den trüben Spiegel seines Auges ein
- Metapher
- dem Schlund des Schlafes
- Personifikation
- Er möchte wohl der Glanz der Papageien sein
- Symbolik
- Die Hand trägt still gefaltet den beträumten Gang
- Wiederholung
- still und fremd vorbei