Der Goldschmiedsgesell
1775Es ist doch meine Nachbarin Ein allerliebstes Mädchen! Wie früh ich in der Werkstatt bin, Blick ich nach ihrem Lädchen.
Zu Ring′ und Kette poch′ ich dann Die feinen goldnen Drähtchen. Ach, denk′ ich, wann, und wieder, wann Ist solch ein Ring für Käthchen?
Und tut sie erst die Schaltern auf, Da kommt das ganze Städtchen, Und feilscht und wirbt mit hellem Hauf Um′s Allerlei im Lädchen.
Ich feile; wohl zerfeil′ ich dann Auch manches goldne Drähtchen. Der Meister brummt, der harte Mann! Er merkt, es war das Lädchen.
Und flugs, wie nur der Handel still, Gleich greift sie nach dem Rädchen. Ich weiß wohl, was sie spinnen will: Es hofft das liebe Mädchen.
Das kleine Füßchen tritt und tritt; Da denk′ ich mir das Wädchen, Das Strumpfhand denk ich auch wohl mit, Ich schenkt′s dem lieben Mädchen.
Und nach den Lippen führt der Schatz Das allerfeinste Fädchen. O wär′ ich doch an seinem Platz, Wie küßt′ ich mir das Mädchen!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Goldschmiedsgesell" von Johann Wolfgang von Goethe handelt von einem jungen Gesellen, der in einer Goldschmiede arbeitet und heimlich in seine Nachbarin, ein hübsches Mädchen, das einen kleinen Laden besitzt, verliebt ist. Er beobachtet sie täglich und vergleicht seine Arbeit mit der Liebe, die er für sie empfindet. Er träumt davon, ihr einen goldenen Ring zu schenken und mit ihr zu flirten. Das Gedicht beschreibt die Sehnsucht und die Eifersucht des Gesellen, der seine Arbeit vernachlässigt und von seinen Gedanken an das Mädchen abgelenkt wird. Er weiß, dass seine Liebe unerfüllt bleibt, da sie von vielen anderen umworben wird. Er bewundert ihre Schönheit und Anmut, aber auch ihre Geschäftigkeit und List. Er beneidet den Schatz, den sie in den Händen hält und der ihre Lippen berührt. Er wünscht sich, an seiner Stelle zu sein und sie zu küssen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Zu Ring′ und Kette poch′ ich dann / Die feinen goldnen Drähtchen.
- Bildsprache
- Das kleine Füßchen tritt und tritt; / Da denk′ ich mir das Wädchen, / Das Strumpfhand denk ich auch wohl mit, / Ich schenkt′s dem lieben Mädchen.
- Enjambement
- Es ist doch meine Nachbarin Ein allerliebstes Mädchen! Wie früh ich in der Werkstatt bin, Blick ich nach ihrem Lädchen.
- Hyperbel
- O wär′ ich doch an seinem Platz, / Wie küßt′ ich mir das Mädchen!
- Metapher
- Ich feile; wohl zerfeil′ ich dann / Auch manches goldne Drähtchen.
- Personifikation
- Und flugs, wie nur der Handel still, / Gleich greift sie nach dem Rädchen.