Der gnädige Löwe
1787Der Tiere schrecklichsten Despoten Kam unter Knochenhügeln hingewürgter Toten Ein Trieb zur Großmut plötzlich an. Komm, sprach der gnädige Tyrann Zu allen Tieren, die in Scharen Vor seiner Majestät voll Angst versammelt waren. Komm her, beglückter Untertan, Nimm dieses Beispiel hier von meiner Gnade an! Seht, diese Knochen schenk′ ich euch!- Dir, rief der Tiere sklavisch Reich, Ist kein Monarch an Gnade gleich!- Und nur ein Fuchs, der nie den Ränken Der Schüler Machiavels geglaubt; Sprach in den Bart: Hm, was man uns geraubt, Und bis aufs Bein verzehrt, ist leichtlich zu verschenken.
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Interpretation
Das Gedicht "Der gnädige Löwe" von Christian Friedrich Daniel Schubart handelt von einem Löwen, der sich plötzlich großmütig zeigt. Er lädt alle Tiere, die in Angst vor ihm versammelt sind, ein, ein Beispiel seiner Gnade zu sehen. Der Löwe bietet ihnen die Knochen seiner gefressenen Beute an, als ob er ihnen damit einen großen Gefallen täte. Die Tiere sind von der scheinbaren Großzügigkeit des Löwen beeindruckt, bis auf einen Fuchs. Dieser Fuchs, der den Intrigen der Schüler Machiavellis nicht glaubt, spricht für sich und sagt, dass es leicht sei, etwas zu verschenken, was man zuvor geraubt und bis aufs Bein verzehrt hat. Der Fuchs durchschaut die Heuchelei des Löwen und erkennt, dass dieser nur seinen eigenen Ruf verbessern will. Das Gedicht kritisiert die Heuchelei von Herrschern, die sich als großzügig und gnädig darstellen, obwohl sie zuvor rücksichtslos gehandelt haben. Es zeigt, dass wahre Großmut darin besteht, anderen zu helfen, ohne zuvor Schaden angerichtet zu haben. Der Fuchs symbolisiert den klugen und misstrauischen Menschen, der die wahren Absichten der Mächtigen durchschaut.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anspielung
- Schüler Machiavels
- Apostrophe
- Komm, sprach der gnädige Tyrann zu allen Tieren
- Beleidigung
- Hm, was man uns geraubt, und bis aufs Bein verzehrt, ist leichtlich zu verschenken
- Hyperbel
- Ist kein Monarch an Gnade gleich!
- Ironie
- Der Tiere schrecklichsten Despoten...Ein Trieb zur Großmut plötzlich an.
- Metapher
- Knochenhügeln hingewürgter Toten
- Personifikation
- Trieb zur Großmut