Der Glückstag
1837Ich war am Morgen so frohen Mutes, als müsst’ begegnen mir etwas Gutes. Wohlan, es komme das Glück gegangen! Bereit hier sitz’ ich, es zu empfangen.
Da kam ein Brief, den die Post mir brachte, ich brach ihn auf, sah hinein und lachte. Logierbesuch will ins Haus mir kommen: Sei er mit Jubel denn aufgenommen!
Drauf kam ein Mann, um von mir zu borgen, obwohl ich selbst war bedrängt von Sorgen. Dass er auf mich sein Vertrauen setzte, rührt’ mich, ich gab ihm sorglos das Letzte.
Nun eine Zeitung nahm in die Hand ich, darin auf mich was geschrieben fand ich, was Böses, Arges. Wie das mich freute! Seht, so beachten mich schon die Leute!
Ich war noch immer bei frohem Mute, als müsste kommen noch andres Gute. Und mehr des Glückes noch zu empfangen, bin aus dem Haus ich hinausgegangen.
Da überfiel mich mit Donnerschlägen, mich unbeschirmten, ein heft’ger Regen. Dem Himmel dankt’ ich, weil er uns schenkte ersehntes Nass und die Saaten tränkte.
Von einem Fenster- brett fiel ein bunter Tontopf mit Nelken auf mich herunter. Doch meinen Hut nur hat er zertrümmert, heil blieb ich selber und unbekümmert.
Nach Hause eilt’ ich, da sah ich jagen scharf um die Ecke ’nen Schlächterwagen. Zu Boden riss er mich freilich nieder, doch kaum verletzt sprang empor ich wieder.
Allmählich wurde der Himmel heller; nach Hause hinkt’ ich, stieg in den Keller, holt’ eine Flasche mit gutem Weine, wohl mir, ich hatte just noch die eine!
Zusammen rief ich darauf die Meinen, mit mir im Jubel sich zu vereinen. Kommt her und trinket, seid frohen Mutes! Mir ist begegnet heut so viel Gutes.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Glückstag" von Johannes Trojan beschreibt die optimistische und positive Einstellung des lyrischen Ichs zu einem bestimmten Tag. Das Gedicht beginnt mit der Vorfreude des Ichs auf etwas Gutes, das ihm begegnen soll. Es ist bereit, das Glück zu empfangen und erwartet gespannt, was der Tag bringen wird. Im Verlauf des Gedichts ereignen sich verschiedene Situationen, die das Ich als positiv und glücklich interpretiert. Ein Brief mit einer Einladung zum Logierbesuch, ein Mann, der um Geld bittet und dem das Ich bereitwillig seinen letzten Besitz gibt, sowie eine Zeitung, in der über das Ich geschrieben steht, werden alle als erfreuliche Ereignisse wahrgenommen. Das Ich freut sich über die Aufmerksamkeit und das Interesse der anderen Menschen. Auch unerwartete Ereignisse wie ein plötzlicher Regenschauer und ein herunterfallender Blumentopf werden vom Ich als glückliche Fügungen gedeutet. Es dankt dem Himmel für den dringend benötigten Regen und ist erleichtert, dass es selbst unverletzt geblieben ist. Ein Zusammenstoß mit einem Schlachtwagen wird ebenfalls als glimpflich abgelaufen betrachtet. Das Ich kehrt nach Hause zurück, holt eine Flasche Wein und lädt seine Familie ein, gemeinsam auf den glücklichen Tag anzustoßen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Sei er mit Jubel denn aufgenommen
- Anapher
- Ich war am Morgen so frohen Mutes / als müsst' begegnen mir etwas Gutes / Wohlan, es komme das Glück gegangen! / Bereit hier sitz' ich, es zu empfangen
- Chiasmus
- Dem Himmel dankt' ich, weil er uns schenkte ersehntes Nass und die Saaten tränkte
- Hyperbel
- Zusammen rief ich darauf die Meinen, mit mir im Jubel sich zu vereinen
- Ironie
- Da kam ein Brief, den die Post mir brachte, ich brach ihn auf, sah hinein und lachte
- Metapher
- als müsst' begegnen mir etwas Gutes
- Metonymie
- eine Zeitung nahm in die Hand ich
- Paradox
- Wie das mich freute! Seht, so beachten mich schon die Leute!
- Personifikation
- es komme das Glück gegangen
- Übertreibung
- Dass er auf mich sein Vertrauen setzte, rührt' mich, ich gab ihm sorglos das Letzte