Der glückliche Ehemann
1787Ich bin so glücklich, bin so froh; Ein Weiblein darf ich lieben, Ganz wie einst König Solomo Sein liebstes Weib beschrieben.
Wie rüstig ist sie spät und früh! In goldner Morgenstunde Weckt sie mich mit der Melod Aus meines Herzens Grunde.
Ich hab′ den Engel dann und wann Im Stillen knieen sehen. Da hört′ ich sie für ihren Mann Und ihre Kinder flehen.
Im Bibelbuch liest sie so gern. Bei jeder schönen Stelle Wird meines Weibchens Augenstern. Von frommen Zähren helle.
Dann rennt so frisch das gute Kind Im Hause hin und wieder. Befiehlt; und hält doch das Gesind Für Schwestern und für Brüder.
Dem Vieh gebricht sein Futter nie. Wie flattert ihr entgegen Im Hof das bunte Federvieh Und pickt den goldnen Regen.
Als Mutter erst - da solltet ihr Dieß Herzensweiblein kennen. Schwör′ euch, ihr würdet sie mit mir Der Mütter Muster nennen.
Wie lehrt die treue Mutter nicht, Den Töchtern und den Söhnen, Zur Fertigkeit in jeder Pflicht Sich zeitig zu gewöhnen! -
Dann setzt sie, wie das Bild der Ruh′, Sich still an meine Seite. Ich hör′ dem Tanz der Spindel zu Mit inniglicher Freude.
Wie wird die Arbeit mir so leicht! Es streichelt mich die Liebe, Sieht sie oft meine Stirne feucht Und meine Augen trübe.
Ihr Frühlingslächeln im Gesicht Lehrt mich des Lebens Plagen, Lehrt Zentner, wie ein Lothgewicht, Mich Glücklichen ertragen.
Sie sorgt für mein gesundes Mahl; Und reicht mir, will ich trinken, Mit Lächeln selber den Pokal, Drinn goldne Tropfen blinken.
Des Himmels Pracht, der Auen Zier, Das spiegelnde Gewässer, Du holdes Weib, gefallen mir An deiner Seite besser.
Drum steigt mein Dank zum Himmel hin, Daß Thränen mir entbeben, Weil Gott zur Lebensführerin Mir solch′ ein Weib gegeben.
Mit ihr laß mich durchs Erdenthal, Du Gott der Liebe, wallen; Mit ihr in deines Thrones Strahl Einst dankend niederfallen.
Du ließest uns der Häuslichkeit So süßes Glück genießen; O sey dafür in Ewigkeit, Allmächtiger, gepriesen!!
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Interpretation
Das Gedicht "Der glückliche Ehemann" von Christian Friedrich Daniel Schubart beschreibt die tiefe Zufriedenheit und Dankbarkeit eines Mannes für seine Ehefrau. Er preist sie als ideale Partnerin, die ihn morgens mit ihrer melodischen Stimme weckt und als fürsorgliche Mutter, die sich um Kinder und Haushalt kümmert. Ihre Frömmigkeit, Arbeitsamkeit und Liebe machen sie für ihn zum Inbegriff einer perfekten Ehefrau und Mutter. Schubart zeichnet das Bild einer Frau, die traditionelle Werte verkörpert: sie ist fromm, fleißig, selbstlos und widmet sich ganz der Familie. Der Erzähler bewundert ihre Fähigkeit, selbst alltägliche Aufgaben wie das Spinnen zu einer Freude zu machen. Ihre Anwesenheit verwandelt selbst die Lasten des Lebens in Leichtigkeit und macht die Welt um ihn herum schöner. Das Gedicht endet mit einem Gebet, in dem der Erzähler Gott dafür dankt, ihm eine so wunderbare Frau geschenkt zu haben. Er wünscht sich, mit ihr sowohl das irdische Leben als auch das ewige Glück im Himmel teilen zu können. Die überbordende Dankbarkeit und die idealisierte Darstellung der Ehefrau zeigen die tiefe emotionale Bindung und die traditionellen Geschlechterrollen der damaligen Zeit.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Mit ihr in deines Thrones Strahl Einst dankend niederfallen
- Hyperbel
- Daß Thränen mir entbeben
- Metapher
- Des Himmels Pracht, der Auen Zier, Das spiegelnde Gewässer
- Personifikation
- Weckt sie mich mit der Melod Aus meines Herzens Grunde
- Vergleich
- Sie sorgt für mein gesundes Mahl; Und reicht mir, will ich trinken, Mit Lächeln selber den Pokal, Drinn goldne Tropfen blinken