Der Gewitterabend
1913O die roten Abendstunden! Flimmernd schwankt am offenen Fenster Weinlaub wirr ins Blau gewunden, Drinnen nisten Angstgespenster.
Staub tanzt im Gestank der Gossen. Klirrend stößt der Wind in Scheiben. Einen Zug von wilden Rossen Blitze grelle Wolken treiben.
Laut zerspringt der Weiherspiegel. Möven schrein am Fensterrahmen. Feuerreiter sprengt vom Hügel Und zerschellt im Tann zu Flammen.
Kranke kreischen im Spitale. Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder. Glitzernd braust mit einem Male Regen auf die Dächer nieder.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Gewitterabend" von Georg Trakl beschreibt eine stürmische und bedrohliche Atmosphäre, die von Angst und Unruhe durchdrungen ist. Die roten Abendstunden und das wirre Weinlaub am Fenster schaffen eine düstere Stimmung, während sich drinnen Angstgespenster einnisten. Der Staub tanzt in den stinkenden Gassen, und der Wind zerschlägt die Scheiben. Ein Zug von wilden Pferden wird von grellen Blitzen durch die Wolken getrieben, was die chaotische Natur des Sturms verdeutlicht. Die Naturgewalten nehmen im zweiten Teil des Gedichts weiter zu. Der Weiherspiegel zerspringt laut, und Möwen schreien am Fensterrahmen. Ein Feuerreiter stürmt vom Hügel und zerschellt in den Tannen zu Flammen. Im Krankenhaus schreien die Kranken, und die Nacht schwebt mit bläulichem Gefieder. Plötzlich prasselt der Regen glitzernd auf die Dächer nieder, was die Intensität des Gewitters unterstreicht. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre der Bedrohung und des Chaos, in der die Naturgewalten und menschliche Ängste aufeinandertreffen. Die lebendigen Bilder und die intensive Sprache Trakls schaffen ein eindringliches Bild eines stürmischen Abends, der von Zerstörung und Unruhe geprägt ist.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Klirrend stößt der Wind in Scheiben
- Bildlichkeit
- Glitzernd braust mit einem Male Regen auf die Dächer nieder
- Hyperbel
- Und zerschellt im Tann zu Flammen
- Metapher
- Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder
- Onomatopoesie
- Möven schrein am Fensterrahmen
- Personifikation
- Staub tanzt im Gestank der Gossen