Der Gefangene
1899Oftmals hab ich nachts im Bette Schon gegrübelt hin und her, Was es denn geschadet hätte, Wenn mein Ich ein andrer wär.
Höhnisch raunten meine Zweifel Mir die tolle Antwort zu: Nichts geschadet, dummer Teufel, Denn der andre wärest du!
Hilflos wälzt ich mich im Bette Und entrang mir dies Gedicht, Rasselnd mit der Sklavenkette, Die kein Denker je zerbricht.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Gefangene" von Frank Wedekind beschreibt die nächtlichen Gedanken eines Menschen, der sich fragt, was es für einen Unterschied gemacht hätte, wenn er ein anderer Mensch wäre. Der Sprecher ringt mit dieser Frage und findet keine befriedigende Antwort. Stattdessen höhnt er über sich selbst und erkennt, dass er selbst dann noch derselbe wäre, wenn er ein anderer wäre. Das Gedicht thematisiert die menschliche Suche nach Identität und die Frage nach dem Selbst. Der Sprecher fühlt sich gefangen in seiner eigenen Existenz und sucht nach einem Ausweg, indem er sich vorstellt, ein anderer Mensch zu sein. Doch die Antwort, die er findet, ist ernüchternd: Es gäbe keinen Unterschied, denn er wäre immer noch er selbst. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass der Sprecher hilflos in seiner eigenen Existenz gefangen ist. Die "Sklavenkette", die kein Denker je zerbricht, symbolisiert die unentrinnbare Natur der eigenen Identität. Der Sprecher ist gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und kann der Frage nach dem Selbst nicht entkommen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- Oftmals hab ich nachts im Bette Schon gegrübelt hin und her
- Ironie
- Nichts geschadet, dummer Teufel, Denn der andre wärest du!
- Metapher
- Rasselnd mit der Sklavenkette, Die kein Denker je zerbricht
- Personifikation
- Höhnisch raunten meine Zweifel Mir die tolle Antwort zu
- Rhetorische Frage
- Was es denn geschadet hätte