Der Gefangene
1790Zwei alte hohe Burgen Glänzen im Sonnenschein Einander gegenüber, Inmitten fließt der Rhein.
Gefangen in der einen Härmt sich ein Rittersmann, Daß er nicht in die andre Zu seiner Liebsten kann.
Die Stromfluth hört er rauschen Mit ruhelosem Schlag, Die Wellen kommen, gehen Gleichförmig Tag für Tag!
Er rüttelt an dem Gitter, Die Stäbe weichen nicht; Er möcht’ die Pforte sprengen, Allein kein Riegel bricht.
Da nimmt die werthe Cither Er wieder von der Wand, In der er Lust im Glücke Und Trost im Leiden fand.
So sitzt er auf dem Lager Schwermüthig, seufzt und wacht; Dann greift er in die Saiten, Singt einsam in die Nacht.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Gefangene" von Joseph Christian von Zedlitz beschreibt die emotionale Situation eines Ritters, der in einer Burg am Rhein gefangen gehalten wird und sehnsüchtig auf die andere Seite des Flusses blickt, wo seine Geliebte wohnt. Die beiden Burgen, die sich im Sonnenschein gegenüberstehen, symbolisieren die unüberbrückbare Distanz zwischen den beiden Liebenden. Der Rhein, der zwischen ihnen fließt, wird zur Metapher für die unüberwindbare Barriere, die den Ritter von seiner Angebeteten trennt. Die Monotonie des Gefangenenlebens wird durch die gleichförmigen Wellen des Rheins verdeutlicht, die unaufhörlich kommen und gehen. Die vergeblichen Versuche des Ritters, aus seiner Zelle auszubrechen, verdeutlichen seine Verzweiflung und Hilflosigkeit. Die unbeugsamen Gitterstäbe und der unzerbrechliche Riegel symbolisieren die Unentrinnbarkeit seiner Lage. Die Cither, ein Saiteninstrument, wird zum Symbol der einzigen Zuflucht und des Trostes für den Gefangenen in seiner Einsamkeit und Verzweiflung. In der letzten Strophe findet der Ritter einen Weg, mit seiner Situation umzugehen. Er nimmt seine Cither und singt in die Nacht hinein, wobei die Musik ihm als Ventil für seine Gefühle dient. Das Lied wird zu einer Art Dialog mit seiner Geliebten, auch wenn diese ihn nicht hören kann. Es ist ein Akt des Widerstands gegen die erdrückende Monotonie und Isolation des Gefängnisses. Die Musik ermöglicht es dem Ritter, seine Sehnsucht und Trauer auszudrücken und bietet ihm einen Hauch von Freiheit in seiner Gefangenschaft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Er möcht' die Pforte sprengen
- Metapher
- Zwei alte hohe Burgen
- Parallelismus
- Die Wellen kommen, gehen Gleichförmig Tag für Tag!
- Personifikation
- Die Stromfluth hört er rauschen
- Symbolik
- Cither