Der Gang aufs Eis
1928Sausend und surrend in wechselndem Ringel Schwingt sich das Jungvolk selbzweit und selbdritt - Herz, du mein rüstiges, lüstiges Dingel, Tätest und drehtest du heute nicht mit?
Jettchen und Nettchen, ihr flotten und flinken, Laßt ihr die Schüler noch immer nicht los? Seht ihr den Meister nicht warten und winken, Ist euch das wirklich so tuttmämschos′?
Jettchen! mein Herz, es pocht wie ein Hammer! Nettchen, ich komme! nun wird mir′s zu dumm .. Plötzlich von hinten mit knöcherner Klammer Hängt mir′s am Arme und reißt mich herum!
Base Ludmilla, die alte Runkunkel, Die mir schon lange die Ehe verspricht, Hat mich erspäht - mit süßem Gemunkel Schaut sie beglückt mir ins Angesicht!
Und mit dem mächtigen Großmuttermuffe, Der von abscheulichen Wollwülsten starrt, Holt sie nun aus zu dem zärtlichsten Puffe: “Schäker, ich weiß schon, auf wen du geharrt!
Komm, laß uns schlittern da drüben, wo′s frei ist, Und wo die Seele der Seele sich freut - Denn dieser Jugend Gehetz und Geschrei ist Nichts für uns reife, vernünftige Leut′!”
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Interpretation
Das Gedicht "Der Gang aufs Eis" von Hanns von Gumppenberg zeigt die lebensfrohe und ausgelassene Stimmung des Wintersports, insbesondere des Schlittschuhlaufens. Die jugendliche Energie und Begeisterung der Schlittschuhläufer wird durch lebendige Bilder und Reime dargestellt, die eine fröhliche Atmosphäre schaffen. Der Dichter verwendet spielerische Sprache und Alliterationen, um die Bewegung und den Klang des Schlittschuhlaufens zu vermitteln. Die zweite Strophe führt eine humorvolle und etwas neckische Unterhaltung zwischen den Schlittschuhläufern ein, die sich über die Anwesenheit der Schüler und des Meisters lustig machen. Der Dichter verwendet hier den Begriff "tuttmämschos", um die Gleichgültigkeit der Jugendlichen gegenüber den Erwachsenen zu verdeutlichen. Dies unterstreicht den Kontrast zwischen der sorglosen Jugend und der ernsteren Erwachsenenwelt. In der dritten Strophe wird die Stimmung durch die plötzliche Erscheinung von Base Ludmilla, einer älteren Dame, die den jungen Mann heiraten möchte, gestört. Die Beschreibung ihrer "mächtigen Großmuttermuffe" und "abscheulichen Wollwülste" erzeugt ein humorvolles und etwas groteskes Bild. Die Base versucht, den jungen Mann von den jugendlichen Aktivitäten wegzulocken und ihn in eine reifere, vernünftigere Gesellschaft zu führen, was den Konflikt zwischen jugendlicher Unbeschwertheit und erwachsenen Verantwortlichkeiten symbolisiert.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Komm, laß uns schlittern da drüben, wo's frei ist
- Anapher
- Sausend und surrend in wechselndem Ringel Schwingt sich das Jungvolk selbzweit und selbdritt
- Interjektion
- Tätest und drehtest du heute nicht mit?
- Kontrast
- Denn dieser Jugend Gehetz und Geschrei ist Nichts für uns reife, vernünftige Leut'!
- Metapher
- Hält sie nun aus zu dem zärtlichsten Puffe
- Personifikation
- Seht ihr den Meister nicht warten und winken
- Übertreibung
- Herz, es pocht wie ein Hammer!