Der Galgen
1806Ein Kaufmann, welchen Lug und Trug Und gutes Glück zum Ritter schlug, Ließ einen Galgen jüngst auf seinen Gütern bauen Und stand mit stolzem Blick, der Arbeit zuzuschauen. »O welche Sudelei!« rief er dem Zimmermann. »Wie lange denkt Ihr wol, daß dieses halten kann?« Wie lange, gnädiger Herr? versetzte der geschwinder; Der Galgen hält gewiß für Sie und Ihre Kinder.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Der Galgen" von Heinrich Christian Boie erzählt die Geschichte eines Kaufmanns, der durch List und Glück zum Ritter aufgestiegen ist. Dieser Kaufmann lässt auf seinen Gütern einen Galgen errichten und beobachtet stolz die Arbeit der Handwerker. Er scheint sich seiner Macht und seines Reichtums bewusst zu sein und betrachtet den Galgen als Symbol seiner Stellung. Der Kaufmann fragt den Zimmermann, wie lange er glaube, dass der Galgen halten werde. Der Zimmermann antwortet, dass der Galgen sicherlich für den Kaufmann und seine Kinder halten werde. Diese Antwort enthält eine doppelte Bedeutung. Einerseits kann sie als eine Versicherung der Qualität der Arbeit interpretiert werden. Andererseits kann sie als eine düstere Prophezeiung verstanden werden, dass der Kaufmann und seine Nachkommen eines Tages am Galgen enden könnten. Das Gedicht kritisiert die Arroganz und den moralischen Verfall der Oberschicht. Der Kaufmann, der durch unlautere Mittel zu Reichtum und Macht gelangt ist, wird mit einem Galgen in Verbindung gebracht, der oft als Symbol für Gerechtigkeit und Bestrafung dient. Die Antwort des Zimmermanns deutet an, dass der Kaufmann und seine Kinder eines Tages für ihre Taten zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Das Gedicht vermittelt somit eine moralische Lektion über die Vergänglichkeit von Macht und Reichtum und die letztendliche Gerechtigkeit, die alle Menschen ereilen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- Ein Kaufmann, welchen Lug und Trug Und gutes Glück zum Ritter schlug
- Personifikation
- Und stand mit stolzem Blick, der Arbeit zuzuschauen
- Rhetorische Frage
- »O welche Sudelei!« rief er dem Zimmermann. »Wie lange denkt Ihr wol, daß dieses halten kann?«