Der Gärtner
Auf ihrem Leibrößlein,
So weiß wie der Schnee,
Die schönste Prinzessin
Reit′t durch die Allee.
Der Weg, den das Rößlein
Hintanzet so hold,
Der Sand, den ich streute,
Er blinket wie Gold.
Du rosenfarbs Hütlein;
Wohl auf und wohl ab,
O wirf eine Feder
Verstohlen herab!
Und willst du dagegen
Eine Blüte von mir,
Nimm tausend für eine,
Nimm alle dafür!
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Kurze Interpretation des Gedichts
Das Gedicht „Der Gärtner“ von Eduard Mörike ist eine Miniature des unerwiderten Verlangens und der vergeblichen Hoffnung. Es zeichnet sich durch eine idyllische Szenerie und eine subtile, melancholische Atmosphäre aus, die durch die einfachen Verse und das sanfte Reimschema erzeugt wird. Der Gärtner, als Erzähler und zentrale Figur, beobachtet die vorbeireitende Prinzessin, und seine Sehnsucht wird in der Beschreibung ihrer Schönheit und der Aufwertung seiner eigenen Umgebung deutlich.
Die ersten beiden Strophen etablieren die Szenerie. Das „Leibrößlein“ der Prinzessin, so weiß wie Schnee, ist ein Symbol für Reinheit und Unberührtheit, das sie von der Welt des Gärtners abhebt. Der Gärtner selbst hat seinen Arbeitsbereich, den Weg der Allee, mit Sand bestreut, der nun „wie Gold“ glänzt, was seine Bemühungen um ihre Aufmerksamkeit unterstreicht. Er versucht, die Szene so ideal wie möglich zu gestalten, um ihren Blick zu erregen, doch sie nimmt ihn kaum wahr. Die Natur wird aufgewertet, der Gärtner hofft auf das Beste und wird vom Verlangen getrieben.
Die dritte Strophe offenbart das eigentliche Begehren des Gärtners. Er bittet die Prinzessin, eine Feder von ihrem Hut „verstohlen herabzuwerfen“. Dies ist ein Zeichen seiner Hoffnung auf einen kleinen, unauffälligen Gruß, ein Zeichen ihrer Kenntnisnahme. Das Wort „verstohlen“ deutet auf die heimliche Natur seiner Wünsche und die Ungleichheit ihrer sozialen Positionen hin. Der Gärtner ist sich des Unterschiedes bewusst, der er überwinden möchte.
Die letzte Strophe verstärkt die Tragik des unerwiderten Verlangens. Der Gärtner bietet der Prinzessin im Gegenzug für eine Feder „tausend“ Blüten, „alle“ seine Blüten, an. Dies zeigt die Tiefe seiner Gefühle und die Intensität seiner Sehnsucht. Die Übertreibung unterstreicht die Vergeblichkeit seiner Hoffnungen. Es ist ein Angebot, das die Kluft zwischen ihm und der Prinzessin überbrücken soll, aber es ist gleichzeitig ein Eingeständnis der Hoffnungslosigkeit, da seine Gabe möglicherweise nie angenommen wird. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Melancholie und der Erkenntnis, dass die Liebe, zumindest in dieser Konstellation, unerreichbar ist.
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Lizenz und Verwendung
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