Der Fuchs und der Bock
1708Einst reiste Meister Fuchs zu einem seiner Schwäger, Im schwülen Sommer, über Feld; Es hatte sich zu ihm der Ziegenbock gesellt, Der dumm und sicher war, wie viele Hörnerträger.
Ein Abweg führte sie vor eines Pachters Haus; Da ward für ihren Durst ein Schöpfbrunn angetroffen. Hier tranken beiderseits. Das heiß′ ich recht gesoffen! Hub Reinke bellend an, und zum vollkommnen Schmaus Fehlt nur ein feister Hahn: der Hühnerstall steht offen; Wie aber kömmt man hier heraus? Mein Herr! darf ich den Anschlag geben, So stellen sie den Rücken hin; Sobald ich aus dem Brunnen bin, Ist′s ihrem Diener leicht, sie schuldigst nachzuheben! Ha! meckerte der Bock: nichts kann gescheidter sein. Bei meinem Bart! mir fiel der Streich nicht ein. Die klugen Köpfe sollen leben!
Hierauf bequemt er sich, und dienet ihm zur Brücke; Allein der Fuchs läßt seinen Freund zurücke, Und sagt: Vorjetzt entschuldge mich; Mein Schwager wartet schon; sonst wollt′ ich bei dir bleiben. Dort jene Ziege guckt auf dich, Sie wird dir unterdeß die Zeit recht wohl vertreiben.
Der Falsche rennt davon, und läßt mit scheelem Blick Dem armen Bock nur diesen Trost zurück: Sobald wirst du dich nicht des Rettens unterfangen, Bevor du selbst der Noth entgangen. Du murrest; fasse dich; der Mensch ist deiner Art: Oft steckt sein Wissen nur im Bart.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Fuchs und der Bock" von Friedrich von Hagedorn erzählt eine Fabel, in der der Fuchs den Bock hintergeht. Die Handlung beginnt mit einer Reise des Fuchses zu seinem Schwager im Sommer, bei der er sich einen Ziegenbock als Begleiter auswählt. Der Bock wird als naiv und vertrauensvoll beschrieben, was seine spätere Rolle als Opfer des Fuchses vorwegnimmt. Die beiden Tiere kommen zu einem Brunnen, wo sie ihren Durst stillen. Der Fuchs erspäht einen Hahn und ersinnt einen Plan, um an das begehrte Ziel zu gelangen. Er überredet den Bock, ihm als Brücke zu dienen, um aus dem Brunnen zu gelangen. Der Bock, der den Fuchs für klug hält, stimmt zu und hilft ihm, woraufhin der Fuchs ihn im Stich lässt. Der Fuchs verlässt den Bock mit einer Ausrede und einer tröstenden Bemerkung über eine Ziege, die auf ihn wartet. Der Bock bleibt zurück und muss erkennen, dass er getäuscht wurde. Die Moral der Geschichte liegt darin, dass man sich nicht von scheinbarer Klugheit täuschen lassen sollte und dass Menschen oft nur vorgeben, etwas zu wissen, ohne es tatsächlich zu tun.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Wie aber kömmt man hier heraus?
- Hyperbel
- Ha! meckerte der Bock: nichts kann gesciedter sein
- Ironie
- Mein Herr! darf ich den Anschlag geben
- Kontrast
- Der Falsche rennt davon, und läßt mit scheelem Blick Dem armen Bock nur diesen Trost zurück
- Metapher
- Einst reiste Meister Fuchs zu einem seiner Schwäger
- Moralische Lehre
- Oft steckt sein Wissen nur im Bart
- Personifikation
- Hub Reinke bellend an
- Symbolik
- Die klugen Köpfe sollen leben
- Vergleich
- Der dumm und sicher war, wie viele Hörnerträger
- Vorahnung
- Hierauf bequemt er sich, und dienet ihm zur Brücke