Der Fuchs ohne Schwanz
1754Reinike verwirrte sich In die ihm gelegten Stricke, Und, wiewol er selbst entwich, Ließ er doch den Schwanz zurücke.
Um nicht lächerlich zu sein, Predigt′ er den Füchsen ein, Auch den ihren abzulegen. Seine Hörer zu bewegen, Sprach er als ein Cicero: Erstlich will′s der Wohlstand so, Um sich zierlicher zu regen: Denn man trabt damit zu schwer, Und zu unbequem einher. Zweitens macht ein Schweif zu kenntlich. Drittens hält er in dem Lauf Oft den schnellsten Brandfuchs auf. Viertens riecht er vielen schändlich.
Stumpfer Redner! schweige du, Rief ein alter Fuchs ihm zu; Was du lehrest, wird verlachet. Nur der Neid ist, was dich quält, Der den Vorzug, der dir fehlt, Andern gern zuwider machet.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Fuchs ohne Schwanz" von Friedrich von Hagedorn erzählt die Geschichte eines Fuchses namens Reinike, der in eine Falle gerät und dabei seinen Schwanz verliert. Um nicht lächerlich zu wirken, predigt er den anderen Füchsen, ebenfalls ihren Schwanz abzulegen. Er führt dabei verschiedene Gründe an, wie zum Beispiel, dass es dem Wohlstand dient, man sich dadurch zierlicher bewegen kann und dass der Schwanz im Lauf hinderlich sein kann. In der zweiten Strophe wird Reinikes Rede mit der eines berühmten Redners verglichen, der seine Zuhörer überzeugen will. Er argumentiert, dass es dem Wohlstand diene, sich zierlicher zu regen und dass der Schwanz hinderlich beim Laufen sein kann. Außerdem behauptet er, dass der Schwanz vielen Menschen unangenehm rieche. Diese Argumente sollen die anderen Füchse dazu bringen, ebenfalls ihren Schwanz abzulegen. In der dritten Strophe meldet sich ein alter Fuchs zu Wort und kritisiert Reinikes Rede. Er wirft ihm vor, nur aus Neid zu sprechen und anderen den Vorteil zu nehmen, den er selbst nicht mehr hat. Der alte Fuchs weist darauf hin, dass Reinikes Argumente lächerlich sind und dass er nur deshalb so redet, weil er seinen eigenen Schwanz verloren hat. Die Interpretation des Gedichts legt nahe, dass es sich um eine Satire auf Menschen handelt, die aus Eigennutz und Neid andere beeinflussen wollen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Reinike verwirrte sich
- Bildsprache
- Um sich zierlicher zu regen: Denn man trabt damit zu schwer, Und zu unbequem einher
- Hyperbel
- Drittens hält er in dem Lauf Oft den schnellsten Brandfuchs auf
- Ironie
- Reinike verwirrte sich in die ihm gelegten Stricke, Und, wiewol er selbst entwich, Ließ er doch den Schwanz zurücke
- Metapher
- Reinike verwirrte sich in die ihm gelegten Stricke
- Personifikation
- Reinike verwirrte sich in die ihm gelegten Stricke
- Rhetorische Frage
- Was du lehrest, wird verlachet