Der Frühlingsregen am Genfersee

Friederike Sophie Christiane Brun

1765

Düstrer Wolkenzug, o schwebe näher, Walle still am Jura dort hinab; Und der Landmann, treuer Wetterspäher, Jub′le: Segen träufelt uns herab!

Seht des schönen Sees Bett verdunkelt, Wo die Möve dort ins Wasser streift; Des Saleve Scheitel heiß umfunkelt; Jenes Huhn, das unters Obdach läuft.

Graue Schatten wandeln, schweben, tauchen Schnell das Thal in trübe Dämm′rung ein; Kräuterknospen öffnen sich, und hauchen Süßern Duft als Zeilons Spezerein.

Regen rieselt freundlich und gelinde Jetzt auf Hügel, Acker, Wies′ und Feld; Und der Vögelchor im Frühlingswinde Tönt im Busch, vom Zitterglanz erhellt.

Auf der Dole schwimmt ein Meer von Strahlen; Purpur färbt das öde Felsenschloß; Rosenschimmer, die den Mole mahlen Sinken auf des Sees Spiegelschooß.

Erd′ und Himmel, Fels und Thal und Hügel, Glänzt in reiner Farbenharmonie; Die Gewässer und der Winde Flügel Rauschen drein in hoher Melodie.

Schalle dann: Laut durch die Welt ertöne, Edler Chor, den unser Freund erschuf; Und der Menschenstimme Zauber kröne Der Natur vereinten Freudenruf.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Frühlingsregen am Genfersee

Interpretation

Das Gedicht "Der Frühlingsregen am Genfersee" von Friederike Sophie Christiane Brun beschreibt die Schönheit und den Segen eines Frühlingsregens am Genfersee. Es beginnt mit einem düsteren Wolkenzug, der sich über den Jura bewegt, was den Landleuten als gutes Zeichen erscheint, da sie den Regen als Segen für ihre Felder und Wiesen betrachten. Die Dichterin beschreibt dann die Auswirkungen des Regens auf die Landschaft. Der See wird verdunkelt, Vögel suchen Schutz unter Dächern und graue Schatten ziehen durch das Tal. Doch trotz der trüben Stimmung öffnen sich die Knospen der Kräuter und verströmen einen süßeren Duft als die Spezereien aus Zeilon. Der Regen rieselt sanft auf Hügel, Acker, Wiesen und Felder und der Chor der Vögel erklingt im Busch, erhellt vom Zitterglanz. Im letzten Teil des Gedichts beschreibt die Dichterin die Schönheit der Landschaft nach dem Regen. Die Dole schwimmt in einem Meer von Strahlen, das öde Felsenschloss färbt sich purpurrot und rosenscheinende Wolken sinken auf den Spiegel des Sees. Die Erde, der Himmel, die Felsen, das Tal und die Hügel erstrahlen in reiner Farbenharmonie und das Rauschen der Gewässer und der Winde vereint sich zu einer hohen Melodie. Die Dichterin ruft dazu auf, diesen edlen Chor, den ihr Freund erschaffen hat, laut durch die Welt ertönen zu lassen und die Stimmen der Menschen mit dem vereinten Freudenruf der Natur zu krönen.

Schlüsselwörter

sees thal hügel düstrer wolkenzug schwebe näher walle

Wortwolke

Wortwolke zu Der Frühlingsregen am Genfersee

Stilmittel

Alliteration
Der Natur vereinten Freudenruf
Anapher
Und der Menschenstimme
Hyperbel
Laut durch die Welt ertöne
Metapher
Der Menschenstimme Zauber kröne
Personifikation
Düstrer Wolkenzug, o schwebe näher