Der Frühlingsmorgen

Gabriele von Baumberg

1839

Der erste Frühlingsmorgen Erwachet über mir, Und findet mich in Sorgen, Und sieht mich fern von dir.

Sonst fand er mich in Freuden An deiner trauten Hand, Mir waren Trennungsleiden Und Gram noch unbekannt.

Nun treibt mich banges Sehnen Auf Wiese, Feld und Au: Dort mischen meine Thränen Sich mit dem Morgenthau.

Obschon zu künft’gen Früchten Die Erde Blüthen trägt, Die Nachtigall Geschichten Von treuer Liebe schlägt;

Die holde Frühlingssonne Auf uns hernieder lacht, Und jedes Herz zur Wonne Und zum Gebeth erwacht:

Theil’ ich doch nicht die Freuden, Theil’ ich die Andacht nicht, Ich fühle nur die Leiden Schwer drückendes Gewicht,

Nur, dass ich fern, o Trauter, Von deinem süssen Kuss, Der Erde Fest mit lauter Wehklage feyern muss.

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Illustration zu Der Frühlingsmorgen

Interpretation

Das Gedicht "Der Frühlingsmorgen" von Gabriele von Baumberg schildert die tiefe Sehnsucht und Trauer einer Frau, die von ihrem Geliebten getrennt ist. Der Frühlingsmorgen, der normalerweise für Freude und Neuanfang steht, findet die lyrische Ich-Person in Sorgen und fern von ihrem Liebsten. Früher war der Frühling eine Zeit des Glücks und der Zweisamkeit, doch nun ist die Trennung eine unerträgliche Last. Die Natur im Frühling, mit ihren blühenden Pflanzen und der singenden Nachtigall, die von treuer Liebe erzählt, kontrastiert scharf mit dem inneren Zustand der Sprecherin. Während die Frühlingssonne alle Herzen zur Wonne und zum Gebet erweckt, bleibt die lyrische Person von dieser Freude ausgeschlossen. Ihre Tränen mischen sich mit dem Morgentau auf Wiese, Feld und Au, was ihre tiefe Traurigkeit und Sehnsucht symbolisiert. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass die Sprecherin weder an den Freuden des Frühlings teilhaben noch an der allgemeinen Andacht teilnehmen kann. Sie fühlt nur das schwere Gewicht ihrer Leiden, weil sie fern von der süßen Umarmung ihres Geliebten ist. Die Erde feiert Fest, während sie mit Wehklage antworten muss, was die tiefe Einsamkeit und den Schmerz der Trennung unterstreicht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Dort mischen meine Thränen Sich mit dem Morgenthau
Hyperbel
Nur, dass ich fern, o Trauter, Von deinem süssen Kuss, Der Erde Fest mit lauter Wehklage feyern muss
Kontrast
Die holde Frühlingssonne Auf uns hernieder lacht, Und jedes Herz zur Wonne Und zum Gebeth erwacht: Theil' ich doch nicht die Freuden, Theil' ich die Andacht nicht
Metapher
Ich fühle nur die Leiden Schwer drückendes Gewicht
Personifikation
Der erste Frühlingsmorgen erwachet über mir
Symbolik
Obschon zu künft'gen Früchten Die Erde Blüthen trägt