Der Frühlingsabend

Christian Friedrich Daniel Schubart

1787

Kühlender Abend steige vom Hügel Lieblich verguldet vom sonnigen Strahl; Thaue von deinem purpurnen Flügel Tropfen aufs durstige Blümlein im Thal. Gluckt, Nachtigallen, zärtlich Lieder, Reget ihr Weste euer Gefieder; Schüttelt vom Baum Seidene Pflaum! Walle, o Duft! Vom Blüthenzweig nieder.

Hier auf der Erde blumigem Schooße Ruh′ ich! es ruhet mein Mädchen bei mir. Meine Geliebte: Kennst du die große, Kennst du die fühlende Freundin von dir? Lieblicher Abend, lächle der Trauten! Lächle der Schlanken, Himmlischgebauten! Schöner war nicht Florens Gesicht, Als sie des Morgens Tropfen bethauten.

Hesperus äugelt hoch in der Ferne; Ziehst du schon, Mond, am Sternenfeld auf? Sieh doch, Geliebte, sieh doch die Sterne! Sieh doch zur freundlichen Luna hinauf! Doch seh′ ich nicht im Auge der Milden Thränen der Liebe schimmernd sich bilden? Sind sie es nicht, Die dein Gesicht, Wie eines Engels Antlitz vergülden?

Lieblicher Abend, Erweicher der Herzen! Dank dir, des Frühlings liebkosender Sohn, Daß du geendigt zärtliche Schmerzen; Sieh doch, die Holde umarmet mich schon! Schmelzende Wonne flimmt in den Blicken - Ach ich empfinde Himmelsentzücken. Liebe, nur du Wiegst uns in Ruh′; Kannst, wie ein Gott, allein uns beglücken.

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Illustration zu Der Frühlingsabend

Interpretation

Das Gedicht "Der Frühlingsabend" von Christian Friedrich Daniel Schubart beschreibt einen Abend im Frühling, der von sanfter Kühle und zärtlicher Stimmung geprägt ist. Der Abend wird als kühlend und vergoldet vom Sonnenstrahl beschrieben, der Tau auf die durstigen Blumen im Tal tropft. Die Nachtigallen singen zärtliche Lieder und der Westwind bewegt sein Gefieder, während der Duft von den Blütenzweigen herabwallt. Der Dichter ruht auf dem blumigen Schoß der Erde und seine Geliebte ruht bei ihm. Er fragt sich, ob sie die große, fühlende Freundin von ihm kennt. Der Abend lächelt der Trauten zu, der Schlanken, Himmlischgebauten, deren Gesicht schöner ist als das von Flora, als sie von Morgentropfen benetzt wurde. Im zweiten Teil des Gedichts fragt der Dichter nach den Sternen und dem Mond, die am Himmel erscheinen. Er bittet seine Geliebte, sie anzusehen und zur freundlichen Luna aufzublicken. Er fragt sich, ob Tränen der Liebe in ihren Augen schimmern und ihr Gesicht wie das eines Engels vergolden. Der Abend wird als Erweicher der Herzen beschrieben, der zärtliche Schmerzen beendet hat. Die Holde umarmt den Dichter und schmelzende Wonne flimmert in ihren Blicken. Der Dichter empfindet Himmelsentzücken und betont, dass nur die Liebe sie in Ruhe wiegen und wie ein Gott allein sie beglücken kann.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Seidene Pflaum
Apostrophe
Lieblicher Abend, Erweicher der Herzen!
Hyperbel
Kannst, wie ein Gott, allein uns beglücken
Metapher
blumigem Schooße
Personifikation
Hesperus äugelt hoch in der Ferne
Vergleich
Schöner war nicht Florens Gesicht, Als sie des Morgens Tropfen bethauten