Der Frühling, am ersten Maimorgen
1774Heute will ich fröhlich, fröhlich sein, Keine Weis’ und keine Sitte hören; Will mich wälzen und für Freude schrein, Und der König soll mir das nicht wehren;
Denn er kommt mit seiner Freuden Schar Heute aus der Morgenröte Hallen, Einen Blumenkranz um Brust und Haar Und auf seiner Schulter Nachtigallen;
Und sein Antlitz ist ihm rot und weiß, Und er träuft von Tau und Duft und Segen - Ha! Mein Thyrsus sei ein Knospenreis, Und so tauml’ ich meinem Freund entgegen.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Frühling, am ersten Maimorgen" von Matthias Claudius ist ein begeisterndes Loblied auf den Frühling und die damit verbundene Lebensfreude. Der Sprecher kündigt an, sich heute von allen Konventionen und Zwängen zu befreien und stattdessen ausgelassen fröhlich zu sein. Er will sich im Freudentaumel wälzen und laut aufschreien, ohne dass ihm jemand diesen Ausbruch der Lebensfreude verwehren kann. Der Frühling selbst wird als König personifiziert, der mit seiner Schar voller Freude aus dem Osten kommt. Er trägt einen Blumenkranz im Haar und auf der Brust und hat Nachtigallen auf der Schulter. Sein Gesicht strahlt in roten und weißen Farben, er trieft vor Tau, Duft und Segen. Der Sprecher will ihm mit einem Knospenreis als Thyrsusstab entgegentaumeln, um ihm die Ehre zu erweisen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Atmosphäre ausgelassener Lebensfreude und Verehrung für die Schönheit und Kraft des Frühlings. Der Sprecher lässt sich von der Frühlingsstimmung mitreißen und möchte sich ganz dem fröhlichen Taumel hingeben, um den Frühling gebührend zu feiern. Das Gedicht ist ein Aufruf, die Lebensfreude zu zelebrieren und sich von den Zwängen des Alltags zu befreien.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Und auf seiner Schulter Nachtigallen
- Hyperbel
- Und der König soll mir das nicht wehren
- Metapher
- Und so tauml’ ich meinem Freund entgegen
- Personifikation
- Keine Weis’ und keine Sitte hören
- Übertreibung
- Will mich wälzen und für Freude schrei