Der Frühling [2]
1843Wie selig ist′s, zu sehn, wenn Stunden wieder tagen, Wo sich vergnügt der Mensch umsieht in den Gefilden, Wenn Menschen sich um das Befinden fragen, Wenn Menschen sich zum frohen Leben bilden.
Wie sich der Himmel wölbt, und auseinander dehnet, So ist die Freude dann an Ebnen und im Freien, Wenn sich das Herz nach neuem Leben sehnet, Die Vögel singen, zum Gesange schreien.
Der Mensch, der oft sein Inneres gefraget, Spricht von dem Leben dann, aus dem die Rede gehet, Wenn nicht der Gram an einer Seele naget, Und froh der Mann vor seinen Gütern stehet.
Wenn eine Wohnung prangt, in hoher Luft gebauet, So hat der Mensch das Feld geräumiger und Wege Sind weit hinaus, dass einer um sich schauet, Und über einen Bach gehen wohlgebaute Stege.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Frühling [2]" von Friedrich Hölderlin beschreibt die Freude und das Erwachen des Lebens im Frühling. Der Dichter vermittelt ein Gefühl der Seligkeit, wenn die Stunden wieder heller werden und die Menschen sich in den Gefilden umschauen und nach dem Befinden fragen. Es ist eine Zeit, in der sich die Menschen zum frohen Leben formen und die Freude sich wie der Himmel ausbreitet. Die Vögel singen und rufen zum Gesang, was die Lebendigkeit und das Erwachen der Natur symbolisiert. In der zweiten Strophe geht es um das menschliche Herz, das nach neuem Leben verlangt. Der Mensch, der oft sein Inneres befragt hat, spricht nun von dem Leben, das in voller Blüte steht. Solange kein Kummer eine Seele plagt und der Mensch zufrieden vor seinen Gütern steht, ist die Freude vollkommen. Hölderlin betont, dass das Glück und die Zufriedenheit des Menschen eng mit der Schönheit und dem Reichtum der Natur verbunden sind. Die letzte Strophe beschreibt die architektonischen Errungenschaften des Menschen, die inmitten der natürlichen Schönheit stehen. Eine prächtige Wohnung in luftiger Höhe und weitläufige Wege, die über einen Bach führen, symbolisieren den Fortschritt und die Harmonie zwischen Mensch und Natur. Hölderlin vermittelt den Eindruck, dass der Mensch inmitten dieser erhabenen Landschaft und seiner eigenen Schöpfungen ein Gefühl der Freiheit und des Glücks erfährt.
Schlüsselwörter
Wortwolke
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Stilmittel
- Alliteration
- Der Mensch, der oft sein Inneres gefraget
- Bildsprache
- Die Vögel singen, zum Gesange schreien
- Kontrast
- Wenn nicht der Gram an einer Seele naget, Und froh der Mann vor seinen Gütern stehet
- Metapher
- Wie sich der Himmel wölbt, und auseinander dehnet
- Parallelismus
- Wenn sich vergnügt der Mensch umsieht in den Gefilden, Wenn Menschen sich um das Befinden fragen, Wenn Menschen sich zum frohen Leben bilden
- Personifikation
- Wenn sich das Herz nach neuem Leben sehnet