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Der Friede

Von

induciae, Bellum, pax rursum.

Schon lang trink ich den goldnen Frieden
Mit meiner Chloe her:
Bald wird uns sein Verzug ermüden,
Wir seufzen, trinken, flehn, und doch, wo bleibet er?

O nähmen Könige der Erden
Zum Beyspiel dich und mich:
Sie würden bald versöhnet werden;
Den Mittag zanken wir, und Abends küß ich dich.

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Gedicht: Der Friede von Christian Felix Weiße

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Friede“ von Christian Felix Weiße thematisiert in wenigen, prägnanten Versen die Sehnsucht nach andauerndem Frieden und die Unbeständigkeit menschlicher Beziehungen, veranschaulicht durch eine Liebesbeziehung. Das lateinische Zitat „induciae, Bellum, pax rursum“ (Waffenstillstand, Krieg, Frieden wieder) deutet bereits auf den Kreislauf von Konflikt und Versöhnung hin, der das Gedicht prägt. Es stellt die Frage nach der Möglichkeit von dauerhaftem Frieden, sowohl in der Politik als auch in der persönlichen Sphäre.

Der erste Vers beginnt idyllisch mit der Beschreibung, wie das lyrische Ich und Chloe den Frieden genießen. Die Metapher des „goldnen Friedens“ suggeriert etwas Kostbares und Wertvolles, das es zu bewahren gilt. Doch schon bald wird deutlich, dass dieser Zustand nicht von Dauer ist. Die Zeile „Bald wird uns sein Verzug ermüden“ deutet auf eine gewisse Sehnsucht und Ungeduld hin, während die Worte „wir seufzen, trinken, flehn“ die wechselhaften Emotionen von Sehnsucht und Hoffnung zum Ausdruck bringen. Der Frieden scheint flüchtig zu sein, und die Suche danach wird zu einem wiederholten Kreislauf.

Der zweite Teil des Gedichts verlagert die Perspektive auf eine politische Ebene, indem er die Könige der Erde anspricht. Die Zeilen „O nähmen Könige der Erden / Zum Beyspiel dich und mich:“ machen deutlich, dass die im privaten Kontext erlebte Dynamik von Frieden und Konflikt eine allgemeine menschliche Erfahrung ist. Der Vergleich zwischen dem Liebespaar und den Königen hebt die Universalität des Themas hervor. Die Vorstellung, dass Könige sich von der Liebe und Versöhnung der beiden Liebenden ein Beispiel nehmen könnten, ist ein sanfter Appell für Frieden und Verständigung.

Der Schlussvers „Den Mittag zanken wir, und Abends küß ich dich“ verdeutlicht die scheinbare Widersprüchlichkeit des menschlichen Daseins und der Natur von Beziehungen. Trotz der Streitigkeiten am Mittag, die den „Bellum“ (Krieg) im Lateinischen Zitat repräsentieren, erfolgt am Abend die Versöhnung und der Kuss als Symbol für „pax“ (Frieden). Diese abschließende Zeile unterstreicht die Zyklen der menschlichen Erfahrung und die Hoffnung, dass auch nach Konflikten immer wieder Frieden gefunden werden kann. Das Gedicht bietet somit einen melancholischen, aber auch versöhnlichen Blick auf die Unbeständigkeit des Friedens und die Hoffnung auf immer neue Anfänge.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.