Der Friede
1890Der Friede stürzt ins Land Gleich einem Schaf, von Wölfen angerissen. Er trägt ein grau Gewand, Zerflattert und zersplissen.
Sein Antlitz ist zerfressen, Sein Auge ohne Glanz. Er hat vergessen Den eignen Namen ganz.
Gleich einem alten Kind (Gealtert früh in Harmen) Steht er im Abendwind Und bettelt um Erbarmen.
Es glänzt sein blondes Haar, Der Sonne doch ein Teilchen. Er bietet lächelnd dar Ein welkes Herz und welke Veilchen.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Friede" von Klabund ist eine tiefgründige und metaphorische Darstellung des Friedens als eine verletzte und geschwächte Figur. Der Friede wird als ein Schaf beschrieben, das von Wölfen angegriffen wurde, was auf die Gewalt und den Schmerz hinweist, die der Friede erfahren hat. Das graue Gewand, das zerrissen und zerschlissen ist, symbolisiert die Zerstörung und den Verfall, den der Friede durchgemacht hat. Die Beschreibung des Antlitzes und des Auges des Friedens, die "zerfressen" und ohne Glanz sind, verdeutlicht den Verlust an Vitalität und Hoffnung. Der Friede hat seinen eigenen Namen vergessen, was darauf hindeutet, dass er seine Identität und seinen Zweck verloren hat. Diese Verwirrung und Desorientierung werden durch den Vergleich mit einem "alten Kind" verstärkt, das frühzeitig durch Leiden gealtert ist. Der Friede steht im Abendwind und bittet um Erbarmen, was seine Hilflosigkeit und Verletzlichkeit unterstreicht. Das blonde Haar, das noch immer ein "Teilchen" der Sonne reflektiert, deutet auf einen Rest von Schönheit oder Hoffnung hin, der trotz allem erhalten geblieben ist. Die welken Veilchen und das welke Herz, die der Friede lächelnd anbietet, symbolisieren Opferbereitschaft und die Bereitschaft, trotz eigener Schwäche anderen zu dienen. Das Gedicht endet auf einer bittersüßen Note, die sowohl die Tragik als auch die anhaltende Güte des Friedens einfängt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Die Wiederholung des 'w'-Lautes in 'welkes Herz und welke Veilchen'.
- Bildsprache
- Die Beschreibung des Antlitzes als 'zerfressen' und des Auges als 'ohne Glanz' erzeugt ein lebendiges Bild.
- Metapher
- Der Friede wird als Personifikation mit einem Schaf verglichen, das von Wölfen angegriffen wurde.
- Personifikation
- Der Friede wird als eine Person dargestellt, die ein graues Gewand trägt und bettelt.
- Symbolik
- Das 'welke Herz und welke Veilchen' symbolisieren Verfall und Verlust.
- Vergleich
- Der Friede wird mit 'einem alten Kind' verglichen, das früh gealtert ist.