Der freywillige Liebhaber

Johann Wilhelm Ludwig Gleim

1774

An einen Braeutigam

Ich bin kein Freund der Zaertlichkeit; Das sag ich ohne Scheu. Ich liebe nach Gelegenheit, Und schwöre keine Treu. Und sag es ein vor allemal, Daß der kein Weiser ist, Der waehlt, und immer nach der Wahl Dieselben Lippen küsst.

Denn, ach! wie bald kann es geschehn, Daß Doris Reiz verdirbt? So bald, wie wir die Rose sehn, Die welkt, sich neigt, und stirbt. Bleib, bleib, du künftger Ehemann, Bey deiner Doris Kuß! Ich liebe, wenn ich lieben kann, Und hasse, wenn ich muß.

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Interpretation

Das Gedicht "Der freywillige Liebhaber" von Johann Wilhelm Ludwig Gleim handelt von einem freigeistigen Liebhaber, der sich nicht an eine einzige Partnerin binden möchte. Der Sprecher betont seine Abneigung gegenüber romantischer Anhänglichkeit und Treuegelöbnissen. Er bevorzugt es, nach Gelegenheit zu lieben und schwört keine ewige Treue. Der Liebhaber argumentiert, dass es unklug ist, immer dieselben Lippen zu küssen, da sich die Anziehungskraft einer Person schnell verändern kann. Der Sprecher vergleicht die Vergänglichkeit der Schönheit mit einer welkenden Rose. So wie eine Rose schnell verblüht, kann auch die Anziehungskraft einer Frau wie Doris schnell nachlassen. Der Liebhaber fordert den zukünftigen Ehemann auf, bei seiner Doris zu bleiben und ihre Küsse zu genießen, solange die Anziehungskraft besteht. Der Sprecher hingegen liebt nach seinen Möglichkeiten und hasst, wenn es notwendig ist. Das Gedicht reflektiert die Idee, dass Liebe und Anziehung vergänglich sind und dass es unklug ist, sich auf eine einzige Person festzulegen. Der Sprecher plädiert für eine freie und ungebundene Liebe, die sich nach den Umständen richtet. Er betont die Vergänglichkeit der Schönheit und die Notwendigkeit, die Liebe zu genießen, solange sie besteht. Das Gedicht zeigt eine kritische Haltung gegenüber traditionellen Vorstellungen von romantischer Treue und Ehe.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Antithese
Ich liebe, wenn ich lieben kann, Und hasse, wenn ich muß.
Kontrast
Ich bin kein Freund der Zaertlichkeit; Das sag ich ohne Scheu.
Metapher
Denn, ach! wie bald kann es geschehn, Daß Doris Reiz verdirbt?
Reimschema
AABB
Vergleich
So bald, wie wir die Rose sehn, Die welkt, sich neigt, und stirbt.
Wiederholung
bleib, bleib, du künftger Ehemann