Der Freundin
1832Wenn deine Hand in meiner ruht, Mein Herz den Schlag des deinen fühlet, Denk′ ich nicht mehr der dunkeln Fluth, Die leis′ mein Leben unterwühlet.
Vergessen ist, was ich erfuhr, Verfehltes Streben und Beginnen! Der Zweifel und der Wunden Spur Tilgt deines Auges Stral von hinnen.
Voll freud′gen Schwunges, kühn und mild, Stark im Vollbringen, rein im Wollen, Stehst du vor mir, ein leuchtend Bild Deß was ich hätte werden sollen.
Mit tausendfält′ger Last beschwert, Ward ich im Lauf zurückgehalten; Gelobt sei Gott, der dir gewährt, Dich frei und kräftig zu entfalten!
O alles Heil und alles Glück, Das ich mir selber sah entwallen, Es lächelt mir aus deinem Blick Und mein ist′s, da dir′s zugefallen!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Freundin" von Betty Paoli beschreibt die tiefe emotionale Wirkung, die die Anwesenheit einer engen Freundin auf die lyrische Ich-Figur hat. Wenn die Hand der Freundin in ihrer ruht und ihr Herz den Herzschlag der Freundin spürt, vergisst die lyrische Ich-Figur all die dunklen, schmerzhaften Erfahrungen und Zweifel, die ihr Leben belastet haben. Der Blick der Freundin tilgt die Spuren der Wunden und des Zweifels. Die lyrische Ich-Figur sieht in ihrer Freundin ein leuchtendes Vorbild dessen, was sie selbst hätte werden sollen. Die Freundin steht voller freudigen Schwungs, kühn und mild, stark im Vollbringen und rein im Wollen vor ihr. Während die lyrische Ich-Figur durch tausendfältige Lasten im Lauf des Lebens zurückgehalten wurde, durfte sich die Freundin frei und kräftig entfalten. Dies betrachtet die lyrische Ich-Figur als Gottes Willen. All das Heil und Glück, das sich die lyrische Ich-Figur selbst versagt hat, sieht sie nun in der Freundin aufleuchten. Es lächelt ihr aus den Augen der Freundin entgegen und gehört ihr, da es der Freundin zugefallen ist. Die lyrische Ich-Figur empfindet eine tiefe Verbundenheit und Freude über das Glück der Freundin, als wäre es ihr eigenes.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Voll freud′gen Schwunges, kühn und mild
- Hyperbel
- Mit tausendfält′ger Last beschwert
- Kontrast
- Stark im Vollbringen, rein im Wollen
- Metapher
- Es lächelt mir aus deinem Blick
- Personifikation
- Denk′ ich nicht mehr der dunkeln Fluth
- Symbolik
- Deines Auges Stral von hinnen