Der Freund

Hanns von Gumppenberg

1866

Mir ward ein Freund hienieden! Als mir mein bestes Tun mißglückt, Hat er mein Aug′ gemieden Zartfühlend und bedrückt.

Doch als mein Glück gestiegen, Da war der Wackre wieder da, Und schwelgt′ in meinen Siegen Mit Klang und Gloria!

Gott lohn′ ihm seine Treue, Die, was mir nottut, stets versteht - Und wahr′ ihn vor der Reue, Wenn′s wieder schlechter geht!

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Illustration zu Der Freund

Interpretation

Das Gedicht "Der Freund" von Hanns von Gumppenberg handelt von der bedingten Freundschaft und der Doppelzüngigkeit eines vermeintlichen Freundes. Der lyrische Ich-Erzähler beschreibt, wie dieser Freund in Zeiten des Misserfolgs und der Not abwesend war, jedoch bei Erfolg und Ruhm wieder auftauchte und sich an den Siegen des Erzählers erfreute. Der erste Teil des Gedichts schildert die Erfahrung des Erzählers, als ihm sein bestes Tun misslang. In dieser schwierigen Zeit mied der Freund den Blickkontakt und war bedrückt, was auf ein Unbehagen oder sogar eine Abneigung gegenüber dem Erzähler hindeutet. Der Freund scheint sich nicht mit den Problemen des Erzählers auseinandersetzen zu wollen und zieht es vor, sich in solchen Situationen zurückzuziehen. Im zweiten Teil des Gedichts ändert sich die Situation, als das Glück des Erzählers steigt. Nun ist der Freund wieder da und feiert gemeinsam mit dem Erzähler die Siege und Erfolge. Der Freund scheint die Gunst der Stunde zu nutzen und sich an den Errungenschaften des Erzählers zu erfreuen, ohne selbst einen Beitrag geleistet zu haben. Im letzten Teil des Gedichts wendet sich der Erzähler direkt an seinen Freund und wünscht ihm Gottes Lohn für seine Treue. Allerdings ist diese Treue fragwürdig, da der Freund nur in guten Zeiten präsent war. Der Erzähler bittet Gott auch darum, den Freund vor Reue zu bewahren, falls es ihm wieder schlechter gehen sollte. Dies deutet darauf hin, dass der Erzähler die wahre Natur der Freundschaft erkannt hat und den Freund vor den Konsequenzen seines eigenen Verhaltens bewahren möchte.

Schlüsselwörter

ward freund hienieden bestes tun mißglückt aug gemieden

Wortwolke

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Stilmittel

Apostrophe
Gott lohn′ ihm seine Treue
Enjambement
Mir ward ein Freund hienieden! / Als mir mein bestes Tun mißglückt, / Hat er mein Aug′ gemieden / Zartfühlend und bedrückt.
Metapher
Mir ward ein Freund hienieden!
Personifikation
Doch als mein Glück gestiegen