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Der Freund

Von

Wer auf den Wogen schliefe,
Ein sanft gewiegtes Kind,
Kennt nicht des Lebens Tiefe,
Vor süßem Träumen blind.

Doch wen die Stürme fassen
Zu wildem Tanz und Fest,
Wen hoch auf dunklen Straßen
Die falsche Welt verläßt:

Der lernt sich wacker rühren,
Durch Nacht und Klippen hin
Lernt der das Steuer führen
Mit sichrem, ernstem Sinn.

Der ist vom echten Kerne,
Erprobt zu Lust und Pein,
Der glaubt an Gott und Sterne,
Der soll mein Schiffmann sein!

Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Gedicht: Der Freund von Joseph von Eichendorff

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Freund“ von Joseph von Eichendorff ist eine Allegorie über die Entwicklung eines Menschen durch Erfahrung und die Bedeutung von Widerstandsfähigkeit und innerer Stärke. Das Gedicht vergleicht das Leben mit einer Seefahrt und teilt Menschen in zwei Kategorien ein: diejenigen, die ein behütetes, unbeschwertes Leben führen, und diejenigen, die von Stürmen und Herausforderungen geprüft werden. Die erste Strophe beschreibt die Unkenntnis und das „blinde“ Verträumen derer, die in Sicherheit leben. Diese Menschen entgehen zwar den Widrigkeiten, verpassen aber auch die Chance zur Reifung.

Die zweite und dritte Strophe wenden sich denjenigen zu, die durch Stürme und Widrigkeiten gehen. Diese Menschen werden durch die „falsche Welt“ verlassen, erleben also Enttäuschung und Einsamkeit. Doch genau durch diese Erfahrungen, durch den „wilden Tanz“ und die dunklen Straßen, entwickeln sie wahre Stärke. Sie lernen, „das Steuer zu führen“ und sich „wacker zu rühren“, also aktiv zu handeln und Verantwortung zu übernehmen. Das Gedicht betont, dass diese Krisen nicht nur Leiden, sondern auch eine Quelle der inneren Festigkeit sind. Nur wer diese Prüfungen besteht, erwirbt einen „sichren, ernsten Sinn“.

Die letzte Strophe zieht eine klare Konsequenz: Nur wer durch Leid und Freude geprüft wurde, wer an Gott und die „Sterne“ glaubt – also an eine übergeordnete Ordnung und Hoffnung – kann als „echter Kern“ bezeichnet werden. Diese Person wird zur zentralen Figur der allegorischen Seefahrt, zum „Schiffmann“. Dies verdeutlicht die Wertschätzung Eichendorffs für Charaktereigenschaften wie Tapferkeit, Ausdauer und Vertrauen, die durch die Auseinandersetzung mit den Widrigkeiten des Lebens erworben werden. Die Metapher des Schiffmanns unterstreicht die Bedeutung von Führung, Weisheit und Verlässlichkeit in einer chaotischen Welt.

Die Sprache des Gedichts ist typisch für die Romantik: bildreich und symbolisch. Eichendorff verwendet maritime Bilder, um die menschliche Existenz darzustellen. Die „Wogen“, „Stürme“, „Straßen“ und das „Steuer“ sind Metaphern für die Herausforderungen, denen sich der Mensch im Leben stellen muss. Die „Sterne“ symbolisieren Hoffnung, Orientierung und Glauben. Der Reim und die einfache, klare Sprache erleichtern das Verständnis des Gedichts und unterstreichen seine moralische Botschaft. Das Gedicht ist ein Appell für ein Leben in Mut und mit tiefer Überzeugung.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.