Der Frater Kellermeister
1871Den Frater Kellermeister, Den schickt man an den Rhein, Es war ein lust′ger, feister, Ein Kenner war′s vom Wein. Fürs Kloster soll er kaufen Ein Faß vom besten Wein, Doch nur das Wassertaufen Das mög′ er lassen sein.
Herr Abt, den müßt ihr loben! Denn in derselben Nacht Hat er, den Wein zu proben, Sich auf den Weg gemacht. “Wo sind′ ich nur den rechten Wohlauf, wohlab den Rhein, Den duftigsten, den echten, Wie Gold so klar und fein?”
Er probt am frühen Morgen Am Rüdesheimer Faß, Er macht sich voller Sorgen Die Kennerzunge naß. Die Rosen luftig blühten So duftig und so rot, Des Fraters Wangen glühten, Er probt sich fast zu Tod′.
“Johannisberg hat Flausen, Es wirft so leicht sein Most, Der Rote von Asmannshausen Ist da die beste Most. Ihr Brüder in den Zellen, Ach Gott, wie habt ihr′s gut! Ich muß den kopf zerschellen Nach rechtem Traubenblut.”
Der Frater zog am Rheine Hinauf, hinab fortan: “Herr Wirt, vom besten Weine; Ach, helft mir armen Mann!” Am Rhein sind lust′ge Leute, Der Frater blieb am Rhein, Es harrt der Abt noch heute Auf ihn und auf den Wein.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Frater Kellermeister" von Franz Alfred Muth erzählt humorvoll die Geschichte eines Klosterkellermeisters, der von seinem Abt beauftragt wird, ein Faß des besten Weins für das Kloster zu kaufen. Statt jedoch direkt seinen Auftrag zu erfüllen, macht sich der Frater in derselben Nacht auf den Weg, um den Wein zu probieren und den richtigen zu finden. Seine Suche führt ihn entlang des Rheins, wo er verschiedene Weine verkostet und dabei immer mehr in die Welt des Weins und der rheinischen Lebensfreude eintaucht. Die Reise des Fraters wird als ausgelassenes Abenteuer dargestellt, bei dem er die Weine von Rüdesheim, Johannisberg und Asmannshausen probiert. Seine "Kennerzunge" wird naß, und seine Wangen glühen vor der Freude am Wein. Doch anstatt den Auftrag des Abts zu erfüllen, verliert sich der Frater immer mehr in der Lust am Probieren und Genießen. Die "lust'gen Leute" am Rhein verführen ihn dazu, seinen ursprünglichen Auftrag zu vergessen und sich ganz der rheinischen Lebensfreude hinzugeben. Das Gedicht endet mit der Pointe, dass der Abt bis heute auf den Frater und den Wein wartet. Der Frater hat sich offensichtlich entschieden, am Rhein zu bleiben und das Leben in vollen Zügen zu genießen, anstatt in die Klostermauern zurückzukehren. Muth nutzt diese Geschichte, um die Anziehungskraft des Weins und der rheinischen Lebensfreude humorvoll zu illustrieren und den Konflikt zwischen weltlichen Genüssen und klösterlicher Pflicht aufzugreifen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- arm'n Mann
- Metapher
- den kopf zerschellen
- Personifikation
- Die Rosen luftig blühten
- Reimschema
- AABB
- Wiederholung
- Es harrt der Abt noch heute