Der Föhn
1885Der Atem stockt; denn schwer und trunken schmiegt sich heut der Tag der Erde an und eines dummen Vogels Lied fliegt, fliegt, ein Ding das noch nicht fliegen kann und immer wieder gleich zur Erde fällt, ängstlich durch die wüstenwarme Welt
und regt mich auf! Wie sich der Tag mit unerträglich weicher Schwere drängt in dieses jungen Vogels Lied! Und himmelan mit Hast und Flügelschlag flattert in die kühle braune Leere! Und ihn ewige Ermattung mit tausend Armen immer wieder niederzieht!
Doch auf den Bergen lauert schon der Föhn und wird noch über Nacht aus seinen Höhn und Wolkenhallen brausend in die Ebne fallen!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Föhn" von Gustav Sack schildert eine bedrückende Atmosphäre, die durch den Föhnwind verursacht wird. Der erste Teil des Gedichts beschreibt, wie die schwere, träge Luft den Atem stocken lässt und wie ein dummes Vogelgezwitscher, das noch nicht richtig fliegen kann, immer wieder zur Erde fällt. Diese Bilder symbolisieren die erdrückende Stimmung und die Unfähigkeit, sich aus ihr zu befreien. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Intensität der Atmosphäre weiter gesteigert. Der Tag drängt sich mit unerträglich weicher Schwere in das junge Vogelgezwitscher und ein Vogel flattert mit Hast und Flügelschlag in die kühle braune Leere. Doch die ewige Ermattung zieht ihn mit tausend Armen immer wieder nieder. Diese Bilder verdeutlichen die überwältigende Kraft der bedrückenden Atmosphäre, die selbst den Flug des Vogels zu vereiteln scheint. Im letzten Teil des Gedichts kündigt sich der Föhn an, der bereits auf den Bergen lauert und in der kommenden Nacht aus seinen Höhen und Wolkenhallen brausend in die Ebene fallen wird. Dies deutet darauf hin, dass die bedrückende Atmosphäre noch intensiver werden wird und die Menschen sowie die Natur noch stärker beeinflussen wird. Das Gedicht vermittelt somit eine düstere Stimmung und eine Vorahnung von Unheil, das durch den Föhnwind verursacht wird.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- schwer und schmiegt
- Bildsprache
- kühle braune Leere
- Hyperbel
- mit tausend Armen
- Kontrast
- himmelan mit Hast und Flügelschlag / flattert in die kühle braune Leere
- Metapher
- Der Atem stockt; denn schwer und trunken schmiegt sich heut der Tag der Erde an
- Personifikation
- der Tag der Erde an
- Vergleich
- ein Ding das noch nicht fliegen kann
- Wiederholung
- fliegt, fliegt