Der Fluß
1920In den abendgelben Fluß grub mein Ruder schwarze Trichter; ohne Won und ohne Kuß sahn wir auf die Wellenlichter, sahn wir eine dunkle Bucht still das kahle Ufer spiegeln, sahn der Berge starre Wucht seine wirbelvolle Flucht vor uns, hinter uns verriegeln.
Als wir dann um Mittemacht in der Stadt mit Flüsterlauten auf der hohen Brückenwacht standen und hinunterschauten, schienen uns die schwarzen Mauem in dem grauen Wasserschacht ihren Einsturz zu belauem.
Still, die Sonne kommt herauf. Klar verfolgen meine Träume bis zum Meer hin seinen Lauf; fern durch morgenrote Bäume steigt der blaue Nebel auf.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Fluß" von Richard Dehmel beschreibt eine Reise auf einem Fluss in der Abenddämmerung. Das Boot fährt durch den gelben Fluss, dessen Wellen das Licht reflektieren. Die Landschaft ist karg und still, die Berge schließen sich wie eine Mauer um den Fluss. Die Stimmung ist einsam und melancholisch, es herrscht eine Atmosphäre der Abgeschiedenheit und Ruhe. In der zweiten Strophe steht das Boot in der Stadt auf einer Brücke und blickt hinunter auf die schwarzen Mauern, die im grauen Wasser zu versinken scheinen. Die Stadt wirkt bedrohlich und düster, als ob sie jeden Moment einstürzen könnte. Die Stille und das Flüstern der Reisenden verstärken die unheimliche Stimmung. In der letzten Strophe geht die Sonne auf und die Träume des Erzählers folgen dem Fluss bis zum Meer. Der blaue Nebel steigt durch die roten Bäume am Morgen auf und verleiht der Landschaft eine geheimnisvolle und unwirkliche Atmosphäre. Das Gedicht endet mit einem Hauch von Hoffnung und Schönheit, der die vorherige Düsternis aufhebt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- schwarze Mauem in dem grauen Wasserschacht
- Bildsprache
- In den abendgelben Fluß
- Enjambement
- In den abendgelben Fluß grub mein Ruder schwarze Trichter
- Kontrast
- als wir dann um Mittemacht in der Stadt mit Flüsterlauten auf der hohen Brückenwacht standen und hinunterschauten
- Metapher
- grub mein Ruder schwarze Trichter
- Personifikation
- ohne Won und ohne Kuß s sahn wir auf die Wellenlichter, s sahn wir eine dunkle Bucht still das kahle Ufer spiegeln, s sahn der Berge starre Wucht seine wirbelvolle Flucht vor uns, hinter uns verriegeln.
- Symbolik
- Still, die Sonne kommt herauf. Klar verfolgen meine Träume bis zum Meer hin seinen Lauf