Der Flor
1765O Reize voll Verderben! Wir sehen euch, und sterben. O Augen, unser Grab! O Chloris, darf ich flehen? Dich sicher anzusehen, Laß erst den Flor herab!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Flor" von Gotthold Ephraim Lessing ist ein leidenschaftliches Loblied auf die Schönheit der Frau Chloris. Der Sprecher preist ihre Reize, die jedoch zugleich als verderblich empfunden werden. Die Augen der Frau werden als Grab beschrieben, was darauf hindeutet, dass ihre Schönheit den Sprecher in den Bann zieht und ihn in den Tod führen könnte. Der Sprecher bittet Chloris, den Flor, also den Schleier, der ihr Gesicht verdeckt, herabzulassen. Erst dann könne er sie sicher betrachten, ohne von ihrer Schönheit überwältigt zu werden. Dies deutet darauf hin, dass die Frau bewusst ihre Reize verbirgt und den Sprecher so vor der potenziellen Gefahr bewahrt, die von ihrer Schönheit ausgeht. Insgesamt vermittelt das Gedicht die ambivalente Wirkung von Schönheit auf den Betrachter. Sie wird als verlockend und faszinierend empfunden, birgt jedoch auch die Gefahr, den Betrachter zu verzehren und zu zerstören. Der Sprecher sehnt sich danach, Chloris' Schönheit in voller Pracht zu sehen, fürchtet aber gleichzeitig die überwältigende Wirkung, die dies auf ihn haben könnte.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- O Reize voll Verderben! / O Augen, unser Grab! / O Chloris, darf ich flehen?
- Hyperbel
- Wir sehen euch, und sterben.
- Metapher
- O Augen, unser Grab!
- Personifikation
- O Reize voll Verderben!