Der Fischer, der Aal und die Schlange

Gottlieb Konrad Pfeffel

1795

In einem Garne trug ein Fischer einen Aal Nach Rom zu Markt und stieß auf seinem Gange, Es war in einem engen Tal, Auf eine fürchterliche Schlange; Sie lag und wärmte sich im Sonnenstrahl. Dem Fischer ward von Herzen bange; Er sah umsonst sich um, der Pfad war allzu schmal. Nichts als ein kühner Sprung kann seine Tage fristen. Er tat ihn und entrann. Der Aal nahm alles wahr Und sprach zum Fischer: wie, Barbar! Die Natter läßt du sich stolz im Grase brüsten? Sie, deren Gift so oft dem Menschen tödlich war? Und mich verfolgt dein Netz? mich weihest du dem Tode? Mich, der dir nie das kleinste Leid getan? Ganz recht, versetzt der Mensch, dies ist bei uns die Mode: Der Unschuld stellt man nach, das Laster fürchtet man.

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Illustration zu Der Fischer, der Aal und die Schlange

Interpretation

Das Gedicht "Der Fischer, der Aal und die Schlange" von Gottlieb Konrad Pfeffel erzählt eine Fabel, in der ein Fischer auf dem Weg zum Markt in Rom mit einem Aal in seinem Netz auf eine Schlange trifft. Die Szene spielt in einem engen Tal, wo die Schlange sich in der Sonne wärmt. Der Fischer, der sich vor der Schlange fürchtet, muss einen mutigen Sprung wagen, um zu entkommen, was ihm gelingt. Der Aal, der alles beobachtet hat, kritisiert den Fischer daraufhin scharf. Der Aal wirft dem Fischer Heuchelei vor, da dieser die gefährliche Schlange, die für Menschen oft tödlich ist, unbehelligt lässt, während er selbst, der dem Fischer nie etwas zuleide getan hat, mit dem Tod durch das Netz bedroht ist. Der Aal empfindet dies als ungerechte Behandlung und stellt die Moral des Fischers in Frage. Er sieht sich als unschuldiges Opfer, das vom Fischer verfolgt und dem Tod geweiht wird. Der Fischer antwortet dem Aal, dass dies bei ihnen die übliche Vorgehensweise sei: Unschuldige werden verfolgt, während man das Laster fürchtet. Diese Antwort offenbart eine tiefere Kritik an der menschlichen Gesellschaft und deren moralischen Werten. Das Gedicht verdeutlicht die Ironie und den Widerspruch in der menschlichen Natur, die oft das Unschuldige bedroht und das Gefährliche verschont. Es regt zum Nachdenken über Gerechtigkeit und Moral an.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Es war in einem engen Tal
Ironie
Ganz recht, versetzt der Mensch, dies ist bei uns die Mode
Kontrast
Der Unschuld stellt man nach, das Laster fürchtet man
Metapher
In einem Garne trug ein Fischer einen Aal
Personifikation
Sie lag und wärmte sich im Sonnenstrahl