Der Findlingsblock

Gustav Sack

1900

In weiter Heide auf den Hügelwellen vom Meer der Vorzeit dünend aufgeschlagen, liegt einer der granitenen Gesellen, die einst der Gletscher Strom ins Land getragen.

Und ob der Himmel ihn mit Schloßen schlägt, die Sonne brennt, ein Schneewall ihn ummauert, oder ein Waldbrand heulend ihn umfegt, er liegt und ruht, schweigsam und stolz, und dauert.

Doch als ich gestern nächtlich vor ihm stand, schien er mir in der Sterne fahlem Licht verwandelt, dieser tote Klumpen Sand in Gottes gramdurchrißnes Angesicht.

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Illustration zu Der Findlingsblock

Interpretation

Das Gedicht "Der Findlingsblock" von Gustav Sack beschreibt die zeitlose Beständigkeit eines Findlings, der einst vom Gletscher ins Land getragen wurde. Der Findling liegt auf den Hügelwellen einer Heide, ein Überbleibsel aus der Vorzeit, das den Elementen trotzt. Trotz der Schläge des Himmels, der brennenden Sonne, des Schneewalls und des Waldbrands bleibt der Findling unerschütterlich und stolz, ein Symbol für Ausdauer und Stille. In der zweiten Strophe des Gedichts wird die Nacht zum Schauplatz einer tieferen Reflexion. Der Dichter steht nächtlich vor dem Findling und sieht in ihm eine Verwandlung. Unter dem fahlen Licht der Sterne erscheint der Findling als ein "toter Klumpen Sand" im "gramdurchrißnes Angesicht" Gottes. Diese Metapher deutet auf eine tiefe, vielleicht schmerzhafte Verbindung zwischen dem Findling und dem Göttlichen hin, die den Findling zu einem Teil eines größeren, tragischen Ganzen macht. Das Gedicht vermittelt somit eine Meditation über die Zeitlosigkeit und die tiefe Verbundenheit der Natur mit dem Göttlichen. Der Findling, ein stummer Zeuge der Vergangenheit, wird zum Symbol für die Unveränderlichkeit und die ewige Präsenz der Natur, die trotz aller Veränderungen und Zerstörungen beständig bleibt. In seiner Nachtgestalt wird er zu einem Teil des göttlichen Gesichts, das von Gram durchzogen ist, und spiegelt die ewige Schönheit und Tragik der Welt wider.

Schlüsselwörter

liegt weiter heide hügelwellen meer vorzeit dünend aufgeschlagen

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Stilmittel

Hyperbel
der Himmel ihn mit Schloßen schlägt
Kontrast
dieser tote Klumpen Sand in Gottes gramdurchrißnes Angesicht
Metapher
vom Meer der Vorzeit dünend aufgeschlagen
Personifikation
liegt einer der granitenen Gesellen
Symbolik
Granit als Symbol der Beständigkeit