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Der Federkiel

Von

Gleich einem umgestülpten Glas,
das von der Lerchen Liederschlag
in endlosem Bibrieren tönt,
hängt nun der Himmel jeden Tag
über dem strotzend fetten Gras.

Doch mir ward diese blaue Welt
feindlich zu einem Satyrspiel,
das meiner Nöte lächelnd höhnt
und mich gleich einem Federkiel
in seinen losen Händen hält.

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Gedicht: Der Federkiel von Gustav Sack

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Federkiel“ von Gustav Sack beschreibt eine existenzielle Erfahrung des Dichters, die von einer tiefen Entfremdung von der Natur und der Welt geprägt ist. Der einleitende Vers vergleicht den Himmel mit einem umgestülpten Glas, in dem das „Liederschlag“ der Lerche widerhallt, was eine Atmosphäre von Schwingung und Bewegung suggeriert. Dies deutet auf eine anfängliche Wahrnehmung der Welt hin, die von Schönheit und Lebendigkeit geprägt ist. Der Himmel „hängt“ über dem „fettem Gras“, ein Bild, das die üppige Natur und das Leben symbolisiert.

Der zweite Teil des Gedichts offenbart jedoch einen Kontrast zur anfänglichen Naturbetrachtung. Der Dichter empfindet die blaue Welt, die zuvor vielleicht als idyllisch wahrgenommen wurde, nun als „feindlich“. Dieses Gefühl der Feindschaft wird durch das Bild eines „Satyrspiels“ verstärkt, das die Nöte des Dichters höhnisch belächelt. Der Satyr, ein mythologisches Wesen, das für seine Sinnlichkeit und sein Spottverhalten bekannt ist, repräsentiert hier die Welt, die den Dichter verspottet und seine Leiden ins Lächerliche zieht.

Das zentrale Bild des Gedichts ist der „Federkiel“, der den Dichter selbst symbolisiert. Der Federkiel wird von der „Welt“ bzw. den „losen Händen“ des Satyrs gehalten. Dies deutet auf eine Ohnmacht und Passivität des Dichters hin, der sich der Welt ausgeliefert fühlt. Er ist wie ein Werkzeug, das von etwas Größerem manipuliert wird, ohne eigenen Willen oder Kontrolle. Diese Metapher verdeutlicht die Entfremdung und das Gefühl der Fremdbestimmung, die den Dichter plagen.

Insgesamt ist das Gedicht ein Ausdruck von Melancholie und Enttäuschung. Es zeigt die Diskrepanz zwischen dem, was die Natur und die Welt versprechen – Schönheit, Leben und Freude – und dem, was der Dichter tatsächlich erfährt – Feindseligkeit, Spott und Ohnmacht. Die Verwendung von bildhaften Vergleichen wie dem umgestülpten Glas, dem Satyrspiel und dem Federkiel erzeugt eine eindringliche Atmosphäre, die die innere Zerrissenheit und das Gefühl der Entfremdung des Dichters greifbar macht.

Weitere Informationen

Hier finden sich noch weitere Informationen zu diesem Gedicht und der Seite.

Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.