Der Esel

Wilhelm Busch

1832

Es stand vor eines Hauses Tor Ein Esel mit gespitztem Ohr, Der käute sich sein Bündel Heu Gedankenvoll und still entzwei.

Nun kommen da und bleiben stehn Der naseweisen Buben zween, Die auch sogleich, indem sie lachen, Verhaßte Redensarten machen, Womit man denn bezwecken wollte, Daß sich der Esel ärgern sollte.

Doch dieser hocherfahrne Greis Beschrieb nur einen halben Kreis, Verhielt sich stumm und zeigte itzt Die Seite, wo der Wedel sitzt.

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Interpretation

Das Gedicht "Der Esel" von Wilhelm Busch erzählt von einem Esel, der vor einem Haus steht und gelassen sein Heu kaut, während zwei freche Jungen versuchen, ihn mit verletzenden Worten zu provozieren. Der Esel, ein erfahrener und weiser Zeitgenosse, lässt sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen. Er dreht sich einfach um und zeigt den Jungen seine Hinterseite, eine stumme, aber deutliche Antwort auf deren kindische Angriffe. Die erste Strophe führt den Leser in die ruhige Szene ein, in der der Esel friedlich sein Futter zerkaut. Die Beschreibung seiner Haltung und seines Verhaltens vermittelt einen Eindruck von Gelassenheit und Weisheit. Die zweite Strophe führt die beiden Jungen ein, die offensichtlich nichts Besseres zu tun haben, als den Esel mit ihren boshaften Worten zu beleidigen. Sie lachen dabei und scheinen sich an ihrem eigenen Tun zu erfreuen. Die dritte Strophe offenbart die Reaktion des Esels auf die Provokation der Jungen. Anstatt sich zu ärgern oder gar aggressiv zu werden, dreht er sich einfach um und zeigt ihnen seine Hinterseite. Diese Geste kann als eine Form der passiven Aggression oder als ein Zeichen der Überlegenheit interpretiert werden. Der Esel lässt sich nicht auf das Niveau der Jungen herab und beweist damit seine Reife und Weisheit.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
Die Beschreibung 'mit gespitztem Ohr' und 'der Wedel sitzt' schafft visuelle Bilder, die die Szene lebendig werden lassen.
Ironie
Die 'naseweisen Buben' glauben, den Esel ärgern zu können, doch dieser reagiert mit Gleichmut, was eine ironische Wendung darstellt.
Kontrast
Der Kontrast zwischen den 'naseweisen Buben' und dem 'hocherfahrenen Greis' hebt die Weisheit und Gelassenheit des Esels gegenüber der kindlichen Unbedachtheit der Jungen hervor.
Metapher
Der Esel wird als 'hocherfahrner Greis' bezeichnet, was eine metaphorische Übertragung menschlicher Eigenschaften auf das Tier darstellt.
Personifikation
Der Esel 'käute sich sein Bündel Heu / Gedankenvoll und still entzwei', was menschliche Gedanken und Verhaltensweisen auf das Tier überträgt.
Symbolik
Der 'halbe Kreis' könnte als Symbol für eine defensive oder ausweichende Haltung interpretiert werden.