Der Esel und der Hase
1850Es wollten vor uralten Zeiten Die Thiere mit den Vögeln streiten. Sie musterten ihr Kriegesheer. Ein alter und erfahrner Bär Ward zu dem Feldzug General. Als dieser in der Krieger Zah Den Hasen und den Esel sah, Sprach er zum Löwen: Diese da Mag ich in der Armee nicht wissen, Wir können sie gar wohl vermissen! Sie würden uns doch nur entehren, D′rum lass′ sie sich zum Teufel scheeren! Der Thiere weiser König sprach: Herr General, etwas gemach! So sehr Sie ihren Zorn erhitzen, So sehr kann ich sie beide nützen! Wir brauchen zum Courier den Hasen; Der Esel soll zum Treffen blasen, Den Feind mit seiner Stimm′ erschrecken, Und unsern Kriegern Muth erwecken.
Laßt den Geringen auch nicht müßig, Im Staat ist Niemand überflüssig, So schlecht er seyn mag von Natur, Gebt ihm die rechte Stelle nur.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Esel und der Hase" von Justus Friedrich Wilhelm Zachariae erzählt von einem Konflikt zwischen Tieren und Vögeln, bei dem ein alter Bär zum General ernannt wird. Der Bär betrachtet den Hasen und den Esel als ungeeignet für den Krieg und möchte sie aus der Armee ausschließen, da er befürchtet, dass sie die Ehre der Truppe beschädigen könnten. Der Löwe, als weiser König, widerspricht dem Bären und argumentiert, dass auch diese scheinbar unbedeutenden Tiere einen wertvollen Beitrag leisten können. Er schlägt vor, den Hasen als Kurier und den Esel als Signalbläser einzusetzen, um den Feind zu erschrecken und die eigenen Krieger zu ermutigen. Die zentrale Botschaft des Gedichts liegt in der Erkenntnis, dass jeder, unabhängig von seinen Fähigkeiten oder seiner Natur, einen Platz und eine Aufgabe in der Gemeinschaft finden kann. Der Löwe betont, dass niemand im Staat überflüssig ist, solange er an der richtigen Stelle eingesetzt wird. Diese Aussage unterstreicht die Bedeutung von Inklusion und der Anerkennung des Potenzials jedes Einzelnen, selbst wenn es auf den ersten Blick unbedeutend erscheint. Zachariae nutzt die Fabelform, um eine tiefere moralische Lehre zu vermitteln, die über den konkreten Kontext des Tierkrieges hinausgeht. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Wertschätzung von Vielfalt und die Notwendigkeit an, jedem Individuum eine Chance zu geben, sich einzubringen. Es ist eine zeitlose Erinnerung daran, dass wahre Stärke in der Gemeinschaft liegt und dass jeder Beitrag, egal wie klein er erscheinen mag, zum Gesamterfolg beitragen kann.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Wir können sie gar wohl vermissen
- Ironie
- D′rum lass′ sie sich zum Teufel scheeren
- Metapher
- Gebt ihm die rechte Stelle nur
- Personifikation
- Den Feind mit seiner Stimm′ erschrecken