Der Esel, der Affe und der Maulwurf
unknownEin betrübter Esel heulte, Weil des Schicksals karge Hand Ihm nicht Hörner zugewandt, Die sie doch dem Stier ertheilte; Und der Affe fiel ihm bei, Daß der Himmel grausam sei, Weil er ihm den Schwanz versagte. Als nun jeder mürrisch klagte, Sprach der Maulwurf: Ich bin blind; Daß man sich mit mir vergleiche, Wenn des Schicksals Zorn und Streiche Andern unerträglich sind!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Esel, der Affe und der Maulwurf" von Friedrich von Hagedorn erzählt eine Geschichte über drei Tiere, die jeweils über ihre vermeintlichen Mängel klagen. Der Esel beklagt sich darüber, keine Hörner zu haben, der Affe darüber, keinen Schwanz zu besitzen. Diese Klagen verdeutlichen die menschliche Neigung, sich auf das zu konzentrieren, was man nicht hat, anstatt das zu schätzen, was man besitzt. Die Tiere repräsentieren unterschiedliche Aspekte menschlicher Unzufriedenheit und Selbstmitleid. Der Esel und der Affe sind so sehr mit ihren vermeintlichen Unzulänglichkeiten beschäftigt, dass sie die Realität ihrer Situation nicht erkennen. Sie sehen sich als Opfer des Schicksals und sind blind für ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten. Der Maulwurf, der am Ende des Gedichts spricht, bringt eine wichtige Einsicht zum Ausdruck. Obwohl er blind ist, erkennt er die relative Natur des Leids und die Bedeutung von Perspektive. Er erinnert die anderen Tiere daran, dass es immer jemanden gibt, der in einer schlechteren Situation ist, und dass man dankbar sein sollte für das, was man hat. Der Maulwurf verkörpert Weisheit und Bescheidenheit und dient als moralische Instanz im Gedicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Ironie
- Daß man sich mit mir vergleiche, Wenn des Schicksals Zorn und Streiche Andern unerträglich sind!
- Metapher
- des Schicksals karge Hand
- Personifikation
- Weil des Schicksals karge Hand