Der erste Schnee

Friedrich Wilhelm Güll

1812

Ei, du liebe, liebe Zeit, ei, wie hat′s geschneit, geschneit! Rings herum, wie ich mich dreh′ , nichts als Schnee und lauter Schnee. Wald und Wiesen, Hof und Hecken, alles steckt in weißen Decken.

Und im Garten jeder Baum, jedes Bäumchen voller Flaum! Auf dem Sims, dem Blumenbrett liegt er wie ein Federbett. Auf den Dächern um und um nichts als Baumwoll′ rings herum.

Und der Schlot vom Nachbarhaus, wie possierlich sieht er aus: Hat ein weißes Müllerkäppchen, hat ein weißes Müllerjöppchen! Meint man nicht, wenn er so raucht, daß er just sein Pfeifchen schmaucht?

Und im Hof der Pumpenstock hat gar einen Zottelrock und die ellenlange Nase geht schier vor bis an die Straße. Und gar draußen vor dem Haus! Wär′ nur erst die Schule aus!

Aber dann, wenn′ s noch so stürmt, wird ein Schneemann aufgetürmt, dick und rund und rund und dick, steht er da im Augenblick. Auf dem Kopf als Hut ′nen Tiegel und im Arm den langen Prügel und die Füße tief im Schnee und wir rings herum, juhe!

Ei, ihr lieben, lieben Leut′, was ist heut′ das eine Freud′!

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Illustration zu Der erste Schnee

Interpretation

Das Gedicht "Der erste Schnee" von Friedrich Wilhelm Güll schildert die Begeisterung eines Kindes über den ersten Schneefall der Saison. Der Sprecher beschreibt, wie die Landschaft sich verwandelt und alles mit einer weißen Decke bedeckt ist. Bäume, Häuser und sogar der Schornstein des Nachbarn erscheinen in neuem Gewand, was die kindliche Fantasie anregt. Die Schneeflocken werden als Federn und Baumwolle verglichen, was die Leichtigkeit und Schönheit des Schnees betont. Im zweiten Teil des Gedichts richtet sich die Aufmerksamkeit auf die alltäglichen Gegenstände im Hof, die durch den Schnee eine neue Gestalt erhalten. Die Pumpe mit ihrer langen "Nase" und der Pumpenstöckelsockel im "Zottelrock" werden personifiziert und verleihen dem Gedicht eine humorvolle Note. Die Vorfreude auf das Ende der Schulzeit, um draußen im Schnee spielen zu können, wird deutlich, was die kindliche Perspektive und den Wunsch nach Freiheit und Spiel unterstreicht. Im letzten Abschnitt des Gedichts kulminiert die Freude in der Vorstellung, einen Schneemann zu bauen. Der Sprecher beschreibt den Prozess des Aufschichtens des Schnees zu einer runden Figur, die mit einem Hut und einem Stock ausgestattet wird. Die abschließende Aufforderung an die "lieben Leut'" hebt die gemeinschaftliche Freude am Schneespiel hervor und betont die soziale Komponente des Wintervergnügens.

Schlüsselwörter

rings herum schnee liebe geschneit hof weißes gar

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Stilmittel

Anapher
Ei, du liebe, liebe Zeit, ei, wie hat's geschneit, geschneit!
Aufzählung
Wald und Wiesen, Hof und Hecken, alles steckt in weißen Decken.
Hyperbel
Und die ellenlange Nase geht schier vor bis an die Straße.
Metapher
Alles steckt in weißen Decken.
Personifikation
Und der Schlot vom Nachbarhaus, wie possierlich sieht er aus: Hat ein weißes Müllerkäppchen, hat ein weißes Müllerjöppchen!
Vergleich
Auf den Dächern um und um nichts als Baumwoll' rings herum.