Der Eremit

Christian Felix Weiße

1758

Dem stürmischen Geräusch der schnöden Welt entrissen In diesem finstern einsamen Hayn, An den Gedankenreichen Flüssen Will ich mich ganz der Weisheit weihn. Von keinem eitlen Wahn bethört, Von tummen Narren nicht beschwert Soll mich die ernste Stille lehren - - Mein Glas in frohen Zügen leeren.

Dem kritischen Geschwätz der neidschen Welt entrissen, Im Feld, im Thal, im schattichten Hayn, An diesen blumenreichen Flüssen Will ich mich der Natur ganz weihn. Wenn iezt die Sonn im Majestät Dort auf, der Mond hier untergeht, So lehr die Flucht der Zeit mich schließen - Jetzt sey es Zeit, mein Mädchen zu küssen.

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Illustration zu Der Eremit

Interpretation

Das Gedicht "Der Eremit" von Christian Felix Weiße handelt von der Sehnsucht eines Menschen nach Ruhe und Weisheit, fernab vom Lärm und den Einflüssen der Gesellschaft. Der Sprecher sehnt sich danach, sich von der "stürmischen Geräusch der schnöden Welt" zu lösen und in die Einsamkeit der Natur zu flüchten. Dort möchte er sich ganz der Weisheit widmen und von der "ernsten Stille" lernen. Die Natur wird als Ort der Reinheit und des Friedens dargestellt, an dem der Sprecher seine Gedanken frei entfalten und sich von äußeren Einflüssen befreien kann. Im zweiten Teil des Gedichts verlagert sich der Fokus des Sprechers von der Weisheit zur Natur selbst. Er möchte sich der "Natur ganz weihn" und ihre Schönheit und Vielfalt genießen. Die Natur wird als Ort der Erholung und des Genusses dargestellt, an dem der Sprecher seine Sinne schärfen und die Zeit vergessen kann. Die Erwähnung der Sonne und des Mondes symbolisiert den Wechsel der Zeit und die Vergänglichkeit des Lebens. Der Sprecher erkennt, dass die Zeit begrenzt ist und dass er den Moment nutzen sollte, um das Leben in vollen Zügen zu genießen, wie zum Beispiel seine Geliebte zu küssen. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine Botschaft der Selbstfindung und des Genusses des Lebens. Der Sprecher sucht nach einem Ausgleich zwischen Weisheit und Natur, zwischen Ernsthaftigkeit und Lebensfreude. Er erkennt, dass die Einsamkeit und die Natur ihm helfen können, sich selbst besser zu verstehen und das Leben in vollen Zügen zu genießen. Das Gedicht ermutigt den Leser, sich Zeit für sich selbst zu nehmen, die Natur zu genießen und die Momente des Glücks bewusst wahrzunehmen.

Schlüsselwörter

welt entrissen hayn flüssen will ganz weihn zeit

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
tummen Narren nicht beschwert
Anapher
Dem stürmischen Geräusch der schnöden Welt entrissen Dem kritischen Geschwätz der neidschen Welt entrissen
Hyperbel
Mein Glas in frohen Zügen leeren
Kontrast
Dort auf, der Mond hier untergeht
Metapher
Mein Glas in frohen Zügen leeren
Personifikation
An den Gedankenreichen Flüssen An diesen blumenreichen Flüssen